Aktuelle Entwicklungen Künstlicher Intelligenz (KI)

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Bild: Pixabay

Das Thema Künstliche Intelligenz scheint in der öffentlichen Diskussion bislang noch eher ein Mauerblümchen-Dasein zu fristen. Auch auf diesem Blog. Ich stelle in diesem Artikel darum einige Ergebnisse meiner jüngsten Recherchen als Einstieg in dieses Themenfeld vor.

Definition von Intelligenz

nach Prof. Wolfgang Wahlster, Universität des Saarlandes:

  • Kognitive Intelligenz – Informationsaufnahme und –verarbeitung, weitgehend entwickelt, teils bereits deutlich besser als der Mensch. Mit neuronalen Netzen simulierbar. Gesichts‑, Sprach‑ und Handschrifterkennung z.B. keine Probleme.
  • Sensomotorische Intelligenz – Sehen, Hören Tasten, Schmecken, Riechen. Durch Kameras und Sensoren gelöst. In der Sensorfusion ist der Mensch noch klar überlegen, die Wissenschaft holt aber rasant auf. In wenigen Jahren werden Fehler behoben sein. Unternehmen Boston Dynamics.
  • Emotionale Intelligenz – spielt bei Maschinen derzeit (noch) keine Rolle. Das sind Chemische Prozesse, gesteuert durch Hormone.
  • Soziale Intelligenz – Fähigkeit, z.B. die Stimmung in einer menschlichen Gruppe zu erkennen. Können Maschinen ebenfalls (noch) nichts leisten.
  • Bewusstsein??? Selbstbewusstsein? Seele? Geist? Menschen wissen selber kaum Antworten darauf – wie soll das also programmiert werden?

Definitionen Künstlicher Intelligenz

  • AGI – Artificial General Intelligence. Menschenähnliche Intelligenz
  • ASI – Artificial Super Intelligence. Übertrifft die Intelligenz aller Menschen auf dem Planeten, gedacht als „kombinierte Rechenleistung aller Gehirne“
  • ANI – Artificial Narrow Intelligence (sog. Schwache KI). In spezialisiertem Bereich gleichwertig oder sogar höher als menschliche Intelligenz

Die Simulation der Aktivität des menschlichen Gehirns

ist im Jahr 2013 mit einem Supercomputer gelungen. Dabei gab es folgende Parameter:

  • 1 Sekunde Aktivität wurde simuliert
  • Von 1% des menschlichen Gehirns
  • Die Berechnung dauerte 40 Minuten
  • 1,73 Mrd. virtuelle Nervenzellen wurden für die Simulation geschaffen, die über
  • 10,4 Billionen Synapsen miteinander verbunden waren. Das wurde erreicht mit
  • 944 Prozessoren und
  • 1 Billiarde Berechnungen/sec.

Hinter diesen Zahlen und den dafür nötigen Entwicklungen steckt die (empirische) Moore‘sche Gesetzmäßigkeit: etwa alle 1,5-2 Jahre verdoppelt sich die Rechenleistung.

  • Sämtliche Berechnungen weltweit von 1960-1970 hätte der stärkste Supercomputer der Welt im Jahr 2002 in 35 Minuten durchführen können. Leistung: ca. 35 Tera-FLOPS=35 Billionen Berechnungen/sec.
  • Der Chinesische „Sunway TaihuLight“ war von Juni 2016 bis Juni 2018 der mit großem Abstand schnellste Supercomputer der Welt auf Platz 1: 93 Peta-FLOPS=93 Billiarden Berechnungen/sec.
  • Ergänzung: Der US-amerikanische Summit OLCF-4 ist seit dem 8.6.2018 mit einer ausgelegten Leistung bis zu 200 Peta-FLOPS (derzeit noch max. 122 Peta-FLOPS) der schnellste Supercomputer der Welt.
  • Prognose: In 2018 soll in China die Exa-FLOPS-Marke geknackt werden, das sind dann Trillionen Berechnungen/sec.

Beispiel für exponentielles Wachstum: Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms dauerte sieben Jahre für das erste Prozent. Die vollständige Entschlüsselung dauerte lediglich weitere sieben Jahre!

50% aller AI-Experten glauben, dass AGI schon bis Mitte dieses Jahrhunderts möglich sein wird, 90% sagen dies immerhin noch für innerhalb dieses Jahrhunderts voraus.

Aktuelle Technologie-Meldungen

Google-Übersetzer wurde jüngst (Info von 2017) revolutioniert: Übersetzungen zwischen Japanisch-Englisch und Koreanisch-Englisch ermöglichten den Neuronalen Netzen, sinnvolle Übersetzungen direkt zwischen Japanisch und Koreanisch zu entwickeln! Die Abläufe sind selbst für die Programmierer nicht mehr nachvollziehbar. Die KI hat sich offenkundig lernend selber sinnvolle Algorithmen geschrieben.

Der humanoide Roboter „Sophia“ erhielt 2017 die Saudi-arabische Staatsbürgerschaft

wie in folgenden Meldungen vom 27.10.2017 nachlesbar: Welt; FAZ; Wired.de. Was natürlich als PR-Gag abgetan werden kann, lässt zugleich den aktuellen Umgang mit, die heutigen Möglichkeiten und den technischen Stand von Künstlicher Intelligenz (KI bzw. AI=Artificial Intelligence) erkennen.

Da frage ich mich: Wenn ein humanoider Roboter – als Sache – die Staatsbürgerschaft erhalten kann, WAS sind dann wir für einen solchen „Staat“, die wir uns als Menschen betrachten? Am Ende etwa auch SACHEN??? hmmm…

Die Google-KI kann den Tod von Menschen vorhersagen

Die Google-KI kann laut einer Meldung in WIRED vom 19.06.2018 den Tod von Menschen vorhersagen. Möglich wird dies durch die Verwendung einer Unmenge nicht nur von Vitaldaten. Auch die medizinische Vorgeschichte des Patienten, sogar handschriftliche Notizen, Kommentare oder Zeichnungen von behandelnden Ärzten wurden zur Fütterung der Datenbanken verwendet.

Und die Zukunft?

Die folgenden Ausführungen fasse ich aus Beiträgen eines Videokanals zusammen (s.u. Quellen). Die Überschriften sind direkt zu den maximal 10-minütigen Videos verlinkt.

In einem ganz aktuellen VIDEO vom 16.09.2018 wird dargestellt,

Wie Maschinen uns empathielos machen werden

Ansatzpunkt: Gesichtserkennungs-Software kann inzwischen Gefühle mit geringerer Fehlerquote im Gesicht ablesen, als die Menschen selber.

Affectiva, BeyondVerbal, Emotient… sind junge Startups in dem Feld.

KI-Dekodierung, basierend auf dem FACS (Facial Action Coding System). Es misst über eine Rasterung die sich verändernden Abstände zwischen Mund, Augen und Nasenpartie. Per Datenbankzugriff erfolgen Klassifizierung und Auswertung. Dabei gibt es bezüglich der Gesichtsausdrücke Entsprechungen über alle Kulturen hinweg. Sogar Unterscheidungen z.B. zwischem falschem und echtem Lächeln sind möglich – weil auch Mikro-Expressionen, also unkontrollierbare Muskelanspannungen erfasst werden, die bereits bis zu ½ Sekunde eher auftreten, als der Verstand es erfasst und damit quasi unkontrollierbar sind; direkt mit dem Emotionszentrum im Gehirn verknüpft.

Das wirtschaftliche Potenzial haben Großkonzerne bereits erkannt. So wurde Emotient Anfang 2016 von Apple aufgekauft. Affectiva arbeitet eng mit Firmen wie Coca-Cola und Unilever zusammen.

Affectiva verfügt mit 2,7Mill. Gesichtern über die größte Datenbank-Sammlung, unterschieden in Alter, Geschlecht und sogar Herkunft.

Was passiert also, wenn Technologie uns die Interpretation kognitiver Wahrnehmungen wie hier Gesichtsausdrücke, die Stimmungen zeigen abnimmt?

Empathie kostet Energie, bringt aber auch Verbindungen und damit Nutzen. Wenn sie nicht benutzt wird, verkümmert sie. Beispiel Navi: Damit verliert die junge Generation sowohl ihre Orientierung als auch die Fähigkeit, sich mittels Papierkarten z.B. in einer Stadt zu orientieren.

Wie uns künstliche Intelligenz möglicherweise umbringt

wird in einem kurzen VIDEO vom 15.04.2017 als Gedankenexperiment dargestellt, welches erläutert, warum und wie uns künstliche Intelligenz möglicherweise eines Tages umbringen könnte. Aus ganz (rechen‑)logischen Gründen.

Welche Gefahr birgt Künstliche Intelligenz?

In einem weiteren VIDEO vom 30.04.2017 stellt GreenRabbit andere Gefahren der KI dar. Er erläutert u.a. die Gesetze (bisher allerdings rein theoretischer Natur) für Roboter/KI nach Isaac Asimov.


Asimov war Science Fiction Autor und hat diese 3+1 Gesetze/Regeln bereits 1942 formuliert (Regel 0 wurde erst später ergänzt):

  • Regel 0: Ein Roboter darf die Menschheit nicht verletzen oder durch Passivität zulassen, dass die Menschheit zu Schaden kommt.
  • Regel 1: Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit (wissentlich) zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  • Regel 2: Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit der Regel eins (oder null) kollidieren.
  • Regel 3: Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei (oder null) kollidiert.

Ein klarer hierarchischer Logikaufbau also -zum Schutz von Menschheit UND Technologie. Allerdings: Ohne derzeitige praktische gesetzliche Realisierungen – in Ermangelung von akuter Relevanz??

Fazit: Was machen wir nun daraus?

Die Möglichkeiten und die Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen, insbesondere auf dem Feld immer „smarter“ werdender KI sind zugleich atemberaubend – und die möglichen Folgen auch beängstigend. Intelligente „Assistenten“ aller Art begleiten schon heute unser Alltagsleben und erlangen – eben WEIL sie mittlerweile so unglaublich smart und nützlich sind – bereits fast unverzichtbar scheinende Bedeutung für unser modernes Alltagsleben. Sprachgesteuerte Bedienung eines Smartphones, fließende gesprochene Übersetzungen in mehr als 30 Sprachen, Fahrtassistenz, Einparkhilfe, intelligente Kühlschränke, die selber inventarisieren und bestellen können, Haustechnik aller Art, die über das mobile Internet gesteuert wird, nahezu automatisierte Callcenter… Und das alles ist erst der Anfang einer viel einschneidenderen Entwicklung, die bereits längst begonnen hat.

WAS passiert aber, wenn z.B. auch nur für einige Stunden oder sogar wenige Tage einfach flächendeckend der Strom ausfiele? Unter diesen Bedingungen sind die Folgen kaum abschätzbar – aber sie wären zumindest in der gesamten industrialisiert-technischen Welt in jedem Fall verheerend. Innerhalb weniger Tage bräche selbst nach damaligen Einschätzungen die gesamte Infrastruktur zusammen. Dazu gibt es neben einschlägigen Filmproduktionen bereits Studien in Regierungsauftrag aus den ersten Jahren dieses Jahrtausends, in Deutschland beispielsweise der TAB-Arbeitsbericht No. 141, 2008-2010… Das Stichwort dazu heißt „fehlende Resilienz“, also fehlende Robustheit gegenüber äußeren Einflüssen… Die denkbare „Machtübernahme“ von KI, wie oben angedeutet, wird dabei nicht einmal berührt…

Ich habe dem Thema KI genau darum einen eigenen Artikel gewidmet. Weil ich den Eindruck gewonnen habe, dass wir an einem Punkt angelangt sind, wo wir uns sehr ernsthaft darüber klar werden müssen, für WAS genau wir uns da gerade entscheiden. Durch unser Nutzungsverhalten.

Ich neige persönlich keinesfalls zur Naivität. Ich bin ausgebildeter Landwirt, promovierter Ingenieur und auch erfahrener Praktiker auf vielen Gebieten. Und ich nutze die bestehenden technischen Möglichkeiten sehr gerne. Ich kenne auch das Leben in den sog. „Entwicklungsländern“. Derzeit lebe ich in Paraguay. Ich lebte u.a. auch längere Zeit in Marokko, ein Jahr auf den Seychellen; auch eine Weile teils sehr, sehr ländlich in Spanien, ohne Elektrifizierung und kommunale Wasserversorgung.

Hier in Südamerika lässt sich das Leben auch noch ohne die diskutierten Technologien organisieren – jedenfalls NOCH und weitestgehend. Es fällt mal stunden‑ oder tageweise der Strom aus. Es bleibt mal Stunden oder auch mehrere Tage das Stadtwasser weg, auch in ganzen Siedlungen, mangels ausreichendem Wasserdruck… Busse fahren – oder wegen Panne auch mal nicht… das ist hier (noch) normal und kaum ein gesellschaftliches oder persönliches Problem. Aber Glasfaser-Internet, Smartphones, smart Cars, smart Houses usw. sind auch hier nur noch eine Frage der Zeit und bereits stramm auf dem Vormarsch.

Alternativlos???

Ich werde diese Frage in einem weiteren Beitrag kurzfristig aufgreifen.

Interessante Quellen für weiteres Studium

Viele der hier verwendeten Fakten und Zahlen stammen von Green Rabbit, einem sehr informativen deutschsprachigen Videokanal nicht nur zu KI. Er wurde bisher bereits von rund 58.000 Nutzern abonniert.

Künstliche Intelligenz – unsere letzte Erfindung? NuoStory #2

Hervorragender, sehr aktueller 8-minütiger Überblicksfilm von NuoViso.TV vom 14.03.2018 auf Deutsch über den Stand der Forschungen und Entwicklungen zu Künstlicher Intelligenz (KI bzw. AI).

Künstliche Intelligenz und die Gesellschaft im 21. Jahrhundert

Eine vierteilige Blog-Artikelserie von Tobias Schumacher aus dem Jahr 2016, die unter folgenden Weblinks auffindbar ist:
(1/3) – Was kann künstliche Intelligenz heute?
(2/3) – Was kann die künstliche Intelligenz der Zukunft?
(3/3) – Das Zeitalter der Empathie bricht an!
5 Gründe warum Empathie im 21. Jahrhundert wichtiger werden wird

Schließlich weise ich hier gerne noch auf zwei thematisch relevante Vortragszusammenfassungen hin, die ich bereits kürzlich veröffentlicht habe:
Jeremy Rifkin (2018)
Gerd Leonhard (2015)



Kategorien:Allgemein, Erwachen, Hinter den Kulissen der Macht, Medizin, News, Verantwortung, Video, Wandel

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  1. Nicht Neues und überhaupt nicht so wichtig. Maschinen haben keine Intuition und werden sie nie haben. Es sind sehr praktische Geräte und werden auch so ihr eigenes technisches Dilemma haben.
    Und wer wird je auch nur darüber nachdenken, seinen feinen Mercedes aufzugeben und per Leihauto seine Freunde besuchen ?
    Wichtig erscheint mir unser Einwirkung für den Frieden. Warum bekriegen sich religiöse Richtungen wie die Sunniten und die Schiiten ? Für uns sind sie alle Islam – Gläubige. Die Wahrheit ist, dass es die zwei Richtungen gibt, die sich gegenseitig seit Jahrhunderten total vernichten wollen.
    Hier wird mal wieder die amerikanische Sicht, die negative Sicht hochgespielt. Die amerikanischen Schwarzmaler haben ein perverses Angstmachereigehabe. Warum all diesen Mist hier übernehmen ?
    Wer mal ein paar Monate in Bengalen (Kolkata) beim Schwager gelebt hat, der sieht ganz klar, dass die Millionen von einfachen Leuten, die weder lesen noch schreiben können, noch die nächsten 100 Jahre vorhanden sein werden.

    • Ich möchte lediglich wiederholen:
      BITTE BEIM THEMA BLEIBEN!!!
      Erstaunlich, welche Stichworte alle – hier geht es um TECHNOLOGIE-EINSCHÄTZUNG! – zu religiösen Allgemeinplätzen führen können…

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