»Manifest für eine liebevolle Welt«

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Bild: Pixabay            Quelle: Oya-Magazin

Von lokalen Gemeinschaften zur Weltgemeinschaft.
Nur ein Traum?

von Wolfram Nolte , erschienen im Oya-Magazin 49/2018

Wolfgang Nolte zeichnet in diesem Aufsatz ein nach meiner Ansicht treffendes Bild vom Entwicklungsstand unserer Gesellschaft und der Menschheit als Gesamtes. Zugleich zeigt er Qualitäten und Wege auf, die eine Transformation in neue Formen des globalen Miteinanders ermöglichen.

Hier ein kleiner Auszug:

Der Traum von der planetarischen Gemeinschaft

Es gibt aber auch eine andere, hoffnungsvolle Sichtweise auf die Entwicklung der Menschheit, von einem tieferen Verstehen der Evolution her, das in größeren Zeitabschnitten denkt. Der Priester und Evolutionsforscher Pierre Teilhard de Chardin hat den Prozess, in den die Menschheit seit einiger Zeit eingetreten ist, als »Planetisation« bezeichnet. Was ist darunter zu verstehen? Zunächst einmal sieht er die Entwicklung der Menschheit wesentlich als einen Prozess zunehmender Gemeinschaftsbildung. Er ist besonders an der Entwicklung der inneren Bindekräfte zwischen den Menschen interessiert und nicht so sehr an den äußeren Formen des Zusammenlebens. Deswegen kommt er zu einer ganz anderen Perspektive als die meisten Historiker und Soziologen.

De Chardin verwendet ein sehr anschauliches Bild, um die Entwicklungsphasen der Menschheit deutlich zu machen. Er vergleicht sie mit Wellenbewegungen, die an der Oberfläche eines imaginären Globus vom Südpol zum Nordpol fließen. Der Südpol repräsentiert den Ausgangspunkt der Menschheitsentwicklung, der Nordpol den Zielpunkt.

Die erste Phase ist die der Gemeinschaftsbildung im Stadium der Expansion. Es ist eine diver­gierende Bewegung; die Menschheit breitet sich über die Erde aus und nimmt äußerlich von ihr Besitz. Immer weitere Ausdifferenzierung findet statt: Unterschiedliche Kulturen entstehen, und innerhalb der Kulturen entwickeln sich Individuen.

Wenn der Äquator in diesem Bild überschritten wird, kann sich die Menschheit nicht mehr äußerlich ausbreiten, die Gemeinschaftsbildung setzt sich fort als Zusammenfassung. Das Wachstum geht nicht mehr in die Weite der Welt, sondern in die Tiefe ihres Zusammenhangs.

Die Menschheit hat jetzt die Chance und die Aufgabe, ein höheres Bewusstsein von ihrer Verbundenheit zu entwickeln und zum Auge und Steuerungsorgan der Schöpfung zu werden.

Und wo stehen wir heute? Um im Bild zu bleiben:

Wir sind nach Teilhard de Chardin seit etwa 100 Jahren dabei, den Äquator zu überschreiten. Der Wechsel der Hemisphären ist ein äußerst kritischer Kurvenabschnitt, die Bewegungsrichtung ändert sich von der Divergenz zur Konvergenz, und die des Denkens müsste ihr folgen – nicht mehr nach außen, sondern nach innen, von der Konfrontation zur Kooperation.

Aber noch ist es so, dass wir mit der Haltung der Expansion, die aus den vergangenen zwei Millionen Jahren stammt, in diese neue Phase gehen, die aber eine Haltung des Zusammengehens, der Einordnung in das Ganze voraussetzt.

* * * * *

Weiter lesen:
Vollständiger Original-Artikel>>


Wolfram Nolte (71), Soziologe und freier Journalist, setzte sich viele Jahre lang für das Projekt »eurotopia« ein. Seit 2014 – mit der Diagnose »Krebs im fortgeschrittenen Stadium« konfrontiert – baut er ein gemeinschaftlich getragenes Natur-Hospiz am Bodensee auf.



Kategorien:Allgemein, Frieden, Neue Wege in die Zukunft, Positive Veränderungen, Wandel

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  1. Wolfram Nolte hat es sehr plastisch formuliert: „Wir brauchen eine Gemeinschaft, in der die Herzen mit einander kommunizieren.
    Sein Bezug zum Jesuitenpriester Teilhard de Chardin ist auch sehr interessant, weil dieser intuitiv versucht hat, die Menschheitsentwicklung aus einer Sicht zu betrachten, die mit den Grundlagen unseres Denkens im Sinne der Genesis nicht genau übereinstimmt. Vor ihm aber gab es Nietzsche, der die Entwicklung viel umfassender und tiefer gespürt hat.
    Wenn man von Menschheitsentwicklung spricht gehen wir gedanklich vom „homo sapiens“ aus. Nun, dank sei der Wissenschaft, gab es vor dem homo sapiens andere Wesen wie den „homo erectus“. Logisch, dass der homo sapiens aus ihm hervorgegangen ist. Und aus dem homo sapiens wird doch ein ihm in gleicher Weise überlegenes Wesen entstehen können. Hm, die Mehrheit der westlichen Menschheit will davon nichts wissen, trotz Nietzsche und Sri Aurobindo. Wer sich von dem Gewohnten und der Basis unseres Denkens und das ist nun mal die Genesis der Bibel auch nur ein winziges Bißchen entfernt, der wird von den Rabiaten umgebracht. So sind wir von einer Kommunikation der Herzen doch noch sehr weit entfernt. Wer das nicht wahrhaben will, der ist schlicht ein Träumer aus Wolkenkuckucksheim. Wir leben heute nicht in einer friedlichen Welt. Die Mächtigen der Welt sind von einem Wahn zur alleinigen Weltherrschaft besessen oder hängen emotional noch dran (Spanien, England) .
    Und doch gibt es schon einige kleine Ansätze zur menschlicheren Gemeinschaft; es lohn sich, sie zu studieren. Ich kenne sehr gut Auroville, eine geplante Kleinstadt im Süden von Indien, religionslos und auf der Spiritualität von Sri Aurobindo beruhend. Es gibt dort kein eigenes Eigentum an Grund und Boden und nur eine moralische Pflicht zur Arbeit. Eine sehr große Solarküche ernährt alle. Einige Ausgaben trägt der indische Staat.
    All das nur zum Beispiel. Wenn Du, Johannes etwas in dieser Richtung planst, dann mach es. Eine Finanzquelle brauchst Du natürlich und die möchte sehen, wie in etwa die Gemeinschaft leben könnte.
    Du kannst Konturen der Gemeinschaft aufzeichnen zum Beispiel welche Gemeinsamkeiten und welche individuellen Bereiche ideal wären oder überläßt alles dem Zufall für die unbegrenzte Freiheit eines menschlicheren Lebens.

    • Jaaaa… nun habe ich gerade einige Zeit in einem riesigen Projekt hier in Paraguay leitend mitgewirkt, in dem die Finanzen wohl das Sicherste am Ganzen waren und auch sind… auch jetzt stünde mir bereits ausreichend Geld für etwas Eigenes in jedem Fall zur Verfügung… nur für DAS, wo ich gerne hin gehen will und davon schrieb ich ja hier bereits in einigen Beiträgen, von einzelnen Puzzleteilchen eben… da fand ich noch nicht die geeigneten Menschen…
      Diese Menschen, mit denen ich hier bisher gearbeitet, IHRE Projekte unterstützt habe, denen fehlte ausnahmslos der Mut, sobald es anfing, Gedachtes wirklich konkret umzusetzen… auf dem Weg in neue Spielarten von Freiheit, wie Du sie ebenfalls andeutest… oder ihnen war die Komplexität so eines Unterfangens von „Neuem Miteinander“ noch nicht recht bewusst…
      Wenn der gemeinsame Landkauf von einigen ha bereits vorab darin endet, dass dieses Land anschließend dann auf der Basis der Kaufbeiträge parzelliert und damit in persönliches Eigentum überführt werden soll… nun… was soll ich sagen? An solchen Punkten eben, da wird es ganz praktisch… ebenso, wenn MITEINANDER eine kreative und standortangepasste Nutzungsplanung für das Gelände entworfen werden soll… weiter, wenn man sich eine innere Form geben sollte (will???), wo die gemeinsame Reise überhaupt hin gehen wird, inhaltlich und materiell… wenn zu klären ist, welche Anliegen die Gruppe verbinden… welche Gemeinschaftserfahrungen liegen vor und können positiv eingesetzt werden? Wie werden Entscheidungen getroffen?
      Nun… über all das schrieb ich ja bereits… Ihr seid von Herzen eingeladen – ALLE Leser und Leserinnen… dafür das Nötige anzupacken…
      HIER und in den Folgeartikeln findet Ihr bereits ein erstes Gerüst für Weiteres:
      https://revealthetruth.net/2018/09/10/neues-miteinander-leben-aber-wie/

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  1. »Manifest für eine liebevolle Welt« - Maria Lourdes Blog

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