Impulse für Sinn & Seele: Ich kenne die Wahrheit

Quelle: www.wortmalereien.com

Blatt

 

Ich kenne die Wahrheit

Du glaubst, ich kenne die Wahrheit, und willst sie von mir wissen?

Ich betrachte das Leben durch den Filter der Gesamtheit aller Rollen, die ich jemals eingenommen und gespielt habe. Meine Augen nehmen die Welt durch den Schleier aller meiner Erfahrungen und Prägungen und aus der einzigartigen Perspektive meines Selbst heraus wahr, die nur ich einnehmen kann, weil es keinen zweiten gibt, der dort war, wo ich bin.

Wie kann ich dir von der Wahrheit erzählen, ohne deiner eigenen Wahrheit den Raum zu nehmen, den sie verdient? Ohne dich von dem Gespür für das abzulenken, was für dich gerade jetzt stimmt, und wonach du verzweifelt auf der Suche bist?

Frage mich nicht. Ich kenne meine Wahrheit, aber ich werde dir nicht davon erzählen.

Ich betrachte mich selbst aus den ozeanischen Tiefen meines Bewusstseins heraus, das sich seit undenklich langen Zeiten geformt, gewandelt, zusammengezogen und wieder ausgedehnt hat. Wie könnte ich von dir verlangen, zu erkennen, wer ich wirklich bin, wenn ich mich doch selbst noch gar nicht vollkommen ergründet habe?

Wie könnte ich von dir erwarten, meine Wahrheit zu verstehen und zu sehen, was ich sehe?

Es würde bedeuten, die Einzigartigkeit deines Wesens und die Sinnhaftigkeit deiner Erfahrungen in Frage zu stellen, denn nur sie machen dich zu dem, was du bist. Also erwarte ich es nicht.

Jeder von uns ist mit einer Frage im Herzen in diese Welt gekommen, und jede Frage existiert in ihrer Form nur ein einziges Mal. Solange wir hier sind, suchen wir nach der Antwort auf diese Frage. Sie gibt uns die Kraft zu leben, und haben wir sie gefunden, dann können wir wieder gehen. Wie könnte ich dir eine Antwort auf deine Frage anbieten, wenn sie doch nur die Antwort auf meine Frage ist, nicht aber auf deine? Mir mag sie helfen zu verstehen, dich aber würde sie verwirren.

Deswegen frage mich nicht. Ich kenne meine Wahrheit, aber ich werde dir nicht davon erzählen.

Lass mich einfach nur hier sein und mit dir verweilen. Lass mich dich beobachten in deiner Suche, ohne dich und deinen Weg zu bewerten. Selbst ohne zu versuchen, dich zu verstehen. Lass mich dich einfach nur ansehen. Ich freue mich, wenn du auf einen Aspekt deiner von dir gesuchten Antwort stößt und feiere deine Begeisterung! Ich weine mit dir, wenn du verzweifelst, weil du den Weg nicht mehr siehst. Ich bin da und erkenne dich an für all die ungelösten Rätsel, die du mit dir trägst, denn sie machen dein Wesen so reich und deinen Weg so lohnenswert.

Und sollte auch ich einmal in schwärzester Nacht an deine Tür klopfen und dich fragen, welchen Weg ich nehmen soll, da ich ihn nicht mehr erkennen kann, dann antworte nicht. Nimm mich bitte einfach an die Hand und gewähre mir ein Lager für eine Nacht. Wärme mich mit dem aufmerksamen Blick deiner Augen, und stärke mich mit dem sanften Druck deiner Hand auf meiner Schulter. Nähre mich mit der ruhigen Kraft deiner Gegenwart, so dass ich mich sicher fühlen und schlafen kann.

Lass mich wieder Halt in meinem Zentrum finden, ohne mich an dich anlehnen zu müssen. Durch dein bestätigendes Schweigen werde ich die Wahrheit erkennen, die in mir selbst liegt, möge sie auch noch so fernab von deiner liegen. Lass mich wieder erinnern, wer ich bin, woher ich komme und wohin ich mich auf den Weg gemacht habe.

Doch erzähle mir nicht von deiner Wahrheit, auch wenn ich danach frage.

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 Foto: www.pixabay.com



Kategorien:Bewusstsein

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3 replies

  1. Ein wunderschöner Beitrag, vielen vielen Dank. Er erinnert mich ein wenig an das Buch „OM Band 1“ und ich bin immer fasziniert von Menschen, die solche fantastischen Gedanken haben… Einfach nur schön zu lesen.

  2. Danke für diesen Artikel. Passend hierzu hatte ich zum Ausdruck bringen wollen, daß jede Medaille ihre zwei Seiten gehabt hatte; der Mensch selten das war, was er schien; der Prozeß des Aufwachens seine Zeit benötigen wird, bis ein jeder sich selbst und den Unterschied zwischen Scheinwelt und Wirklichkeit voller Bewußtheit wird erkennen können (natürlich alles im Rahmen der eigenen Erfahrungen und Möglichkeiten, IQ, Gesundheit, mentale Verfassung usw.). Die Wahrheit hatte jeden verfolgt, bis der Betreffende sie in ihrer Tiefe und Vollkommenheit entsprechend dem eigenen geistigen Vermögen (was unbegrenzt trainierbar ist) erkannt gehabt hatte. ( Einladung )

  3. Schoen… also bei mir kommst unter wenn mal nit weiter weisst.. liebe gruesse

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