Hier geht’s um Griechenland vs. Wall Street

Hier habe ich einen sehr interessanten Artikel von Tyler Durden auf Zero Hedge gefunden, der uns seine Sichtweise recht anschaulich schildert.

 

von Tyler Durden am 01.02.2015 11:52 -0500

Bild 86

 

 

 

http://www.zerohedge.com/news/2015-02-01/its-greece-vs-wall-street

Übersetzung: patrizia

 

Zum einen habe ich schon so viel über Griechenland geschrieben in letzter Zeit, daß ich fürchte, es wird jetzt zu viel des Guten. Andererseits geht dort so viel vor sich und so schnell, daß ich nicht weiß wo ich beginnen soll. Mehr noch, ich denke nach und gebe mir große Mühe zu verstehen, was was ist und was tatsächlich los ist, daß es schwierig ist, kurze Zeit fokussiert zu bleiben bevor wieder etwas anderes passiert und alles von vorn losgeht. Und ich denke, das gilt für die Syriza-Leute ebenso.

Eines, worüber ich immer mehr nachdenke ist, daß es immer schwieriger wird, sich vorzustellen, daß die Eurozone überleben wird. In ihrer gegenwärtigen Form. Wie man’s macht macht man’s verkehrt, ist ein Ausdruck, den ich bereits benutzt habe. Es ist als ob dieses große Experiment, das einen Haufen machthungriger Europäer richtig anturnt, plötzlich mit Demokratie konfrontiert ist, von der sie dachten, daß die eh nur in Geschichtsbüchern existieren würde.

Aber wenn man seinen blinden Hunger weit genug treibt, daß man Menschen tötet, oder sie „nur“ zu einem Leben im Elend verdammt, werden sie irgendwann versuchen sich aufzulehnen, auch wenn das nicht schnell genug geschieht. Es ist wie die Gesetze der Physik oder wie Ikarus in, genau, der griechischen Mythologie: versuch zu hoch zu fliegen, und du findest heraus, daß du es nicht schaffst.

Was soll Brüssel nun tun? Athen von der Klippe stürzen? Die Stimme der Griechen nicht respektieren? Das passt irgendwie nicht mit den Idealen der Gemeinschaft zusammen, nicht wahr? Wenn sie den Euro weiter am Laufen halten wollen, müssen sie dem, was Syriza verlangt, beträchtlich entgegenkommen. Sonst wird Griechenland die Eurozone verlassen mit einem Getöse, das die Fehler aufdeckt, den Mangel an Zusammenhalt und ganz besonders den Mangel an Demokratie und moralischen Werten.

Das Problem mit dem Einlenken ist aber, daß es große Protestdemonstrationen in Spanien und Italien gibt. Gibt man Griechenland irgendetwas, wird die EU nicht umhinkommen, es anderen ebenso zu geben. Und dann geht es um echtes Geld.

Sie haben es sich selber zuzuschreiben. Sie sind zu gierig geworden. Sie dachten, niemand würde diesen verhungernden griechischen Omas so viel Gehör schenken, daß es ihre großen Pläne zum Einstürzen bringen würde. Diese Behauptung „es wurde viel erreicht“, wie es der Kopf der Eurogruppe Dijsselbloem diese Woche wieder sagte, wurde als wichtiger eingestuft als die Tatsache, daß eine gesamte Eurozonen-Mitgliedsnation in die Hoffnungslosigkeit gestoßen wird.

Das war ein großer Fehler, egal wie man es dreht. Die Herrschaft kann kuschelig und gemütlich sein in Berlin, Paris, Helsinki, aber das rechtfertigt nicht das Tragen von Scheuklappen. Und das verstehen sie jetzt. Oder, sagen wir besser, fangen sie an zu verstehen, weil sie immer noch denken, sie könnten „diese Schlacht gewinnen“, vordergründig mit dem Ziel, Griechenland noch weiter ins Elend zu stoßen, während sie weiterhin behaupten, daß „viel erreicht wurde“.

Nicht sehr klug. So viel ist zumindest augenscheinlich. Was noch? Griechenlands Finanzminister Varoufakis erklärt vor einer Kamera, daß die Rückzahlung von Griechenlands kompletten Schulden ähnlich wahrscheinlich ist wie die Existenz des Weihnachtsmannes. Knapp 24 Stunden später sagt PM Tsipras, daß Griechenland selbstverständlich seine Schulden zurückbezahle. Varoufakis regte sich auf, daß Syriza nicht wegen EU-Sanktionen gegen Russland befragt wurde, aber kurz darauf wird berichtet, daß der eigene Außenminister gesagt haben soll, er habe einen zufriedenstellenden Kompromiss hinsichtlich der Sanktionen mit seinen EU-Kollegen erreicht.

Unzufriedenheit, Verwirrung oder was Schlimmeres in den eigenen Reihen? Schwer zu sagen. Was wir dennoch sagen können ist, daß das augenscheinliche Unbehagen mit Dijsselbloem, Draghi und dem gesamten Apparat in Brüssel – und Frankfurt – eine Täuschung ist. Entweder das oder es ist nur das Vorspiel. Wenn Yanis und Alexis irgendwas erreichen wollen, müssen sie sich Wall Street vornehmen und seine internationalen, amerikanischen, französischen, deutschen TBTF-Banken, Primärhändler. Und wenn es eines gibt, was diese Typen nicht mögen, dann ist das Demokratie.

Syriza formiert sich nicht gegen die EU oder die EZB oder die Troika, das sind Nebenschauplätze. Sie nehmen den Kampf auf mit dem IWF, eine Art stiller Partner in der Troika, und die Organisation, die die Welt beherrscht für die Reichen und deren Banken. Und genau das hätte, wenn sie ein bisschen aufmerksamer gewesen wären und ein bisschen weniger Überheblichkeit an den Tag gelegt hätten, so weitergehen können, immer wieder ein wenig Druck, ohne daß es irgendjemand großartig merkt, bis zum Ende – dieser – Zivilisation. Aber nein. Es musste ja mehr sein.

Es wird ein blutiger Kampf. Und er hat noch gar nicht angefangen. Aber Hut ab vor den Griechen, daß sie damit begonnen haben. Es muss gemacht werden. Und ich sehe nicht, unter welchen Umständen der Euro dies überleben könnte.



Kategorien:Banken bloßgestellt, Bankensystem, Hinter den Kulissen der Macht, Wahrheit auf der Spur

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2 replies

  1. Hat dies auf HeinTirol's Blog rebloggt und kommentierte:
    Sehr gut auf die Reihe gebracht. Was in der Rezension leider nicht zur Sprache kommt, aber für mich sehr wichtig ist, ist der bedenkenswerte Umsstand, dass die griechischen Politiker zuerst den nichtdeutschen Ländern einen Besuch abstatten. Von der deutschen Regierung kam ja schon genug „Schulungsmaterial“.

  2. hoffentlich findet Griechenland viele Nachahmer, mal ehrlich, wer von uns wollte den den Euro und die europäische Gemeinschaft? wer hat was davon? nur die Banken und die Ultrareichen, der normale Mensch ist um die Hälfte seines Einkommens betrogen worden, ich drücke den Griechen fest den Daumen

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