Abgeordneten dämmert: Ukraine ist in aller Stille der jüngste amerikanische Bundesstaat geworden

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Tyler Durden

Wie es scheint, waren nicht alle ukrainischen Abgeordneten und nicht einmal alle Regierungsmitglieder mit der Ernennung der drei vor Kurzem noch ausländischen Minister einverstanden.

Wie in diesem Video zu sehen ist, kam es im Parlament fast zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, nachdem die Mehrheit der Abgeordneten einen Gesetzesentwurf zur Zahl (ausländischer) Mitglieder in Parlamentsausschüssen gebilligt hatte.

Nach der Abstimmung, die nur als Gesamtpaket und nicht als Abstimmung über die einzelnen Ministerposten erfolgte, forderte der Abgeordnete Wladimir Parasyuk das Wort, um die Abstimmung zu erläutern, was ihm der Präsident der Werchowna Rada der Ukraine, Wolodymyr Groisman, allerdings verweigerte.

Man kann den Abgeordneten kaum vorwerfen, erfahren zu wollen, wie sie zum neuesten amerikanischen Bundesstaat wurden…

Hier nun die drei neuen im Ausland geborenen Minister, die am 2. Dezember vom Parlament bestätigt wurden: die frühere Amerikanerin Natalia Jaresko, der ehemalige Litauer Aivaras Abromavicius und der Ex-Georgier Alexander Kwitaschwili. Alle drei haben ihre frühere Staatsbürgerschaft aufgegeben, da die ukrainische Verfassung keine doppelte Staatsbürgerschaft vorsieht.

Nur drei Stunden vor ihrer Bestätigung als Minister hatte ihnen der ukrainische Präsident Petro Poroschenko per Dekret die ukrainische Staatsbürgerschaft verliehen. Zu ihrer Ernennung, die in der Ukraine für Stirnrunzeln gesorgt hatte, erklärte Poroschenko, ihre Regierungsbeteiligung sei Teil der Bemühungen, »aufgrund der außergewöhnlichen Herausforderungen, denen sich die Ukraine gegenübersieht, innovative Lösungen« zu finden.

Natalie Jaresko (frühere US-Amerikanerin, Finanzministerin): Die in Chicago geborene und auch dort aufgewachsene Jaresko verfügt über ukrainische Wurzeln und lebte mehr als zwei Jahrzehnte in der Ukraine. Nur wenige Monate nach der Unabhängigkeit der Ukraine kam sie 1992 nach Kiew und leitete dort die Wirtschaftsabteilung der neu eröffneten amerikanischen Botschaft.

Vor ihrer Ernennung zur Ministerin war sie in verschiedenen wirtschaftlichen Positionen im amerikanischen Außenministerium tätig. Sie besitzt einen Master in Public Policy der Kennedy School der Universität Harvard und einen Bachelor in Bilanzführung und Buchhaltung der DePaul-Universität in Chicago.

1995 gab sie ihre Tätigkeit in der amerikanischen Botschaft auf und wechselte zum Western NIS Enterprise Fund (WNISEF), einem Aktienfonds der amerikanischen Regierung, in dem sie zur Vorstandsvorsitzenden aufstieg. 2004 gründete sie ihren eigenen Investmentfonds Horizon Capital.

Während der so genannten Orangenen Revolution machte Jaresko kein Geheimnis aus ihren Sympathien für den prowestlichen Aufstand. Sie gehörte dann sogar dem für Auslandsinvestitionen zuständigen Beirat des damaligen Präsidenten Wiktor Juschtschenko an.

Da den USA vorgeworfen wird, sich in die politischen Angelegenheiten der Ukraine einzumischen, hat Jareskos neue Position einiges Stirnrunzeln ausgelöst. Die Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums, Marie Harf, hat bereits dementiert, Washington habe bei ihrer Ernennung die Hand im Spiel gehabt.

Jaresko selbst erklärte, das neue Kabinett wolle »das Land verändern, die Transparenz erhöhen und Korruption abschaffen«. Vor dem Parlament sagte sie am 2. Dezember, sie sei bereit, die »Verantwortung zu übernehmen«. Die neue Ministerin steht vor gewaltigen Herausforderungen. Sie muss den drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes aufhalten, gegen die ausufernde Korruption vorgehen und die Wirtschaft der Ukraine reformieren, während das Land weiterhin gegen einen bewaffneten Aufstand im Osten kämpft.

Aivaras Abromavicius (Ex-Litauer, Wirtschaftsminister): Ähnlich wie Jaresko ist Abromavicius in der Ukraine kein Unbekannter. Geboren im litauischen Vilnius, lebte der Investmentbanker seit 2008 in der Ukraine und ist mit einer Ukrainerin verheiratet. Er ist Teilhaber und Manager der Vermögensverwaltung East Capital. Dieses Unternehmen gehört zu den größeren Akteuren in der Ukraine und hat dort etwa 2012 an die 100 Millionen Dollar investiert.

Abromavicius bezeichnet sich selbst als ukrainischen Patrioten und forderte »radikale Maßnahmen« zur Überwindung der Wirtschaftskrise des Landes. Er behauptet, bisher noch nicht über sein Ministergehalt gesprochen zu haben. Er gehe aber davon aus, dass es eher gering ausfallen werde.

Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass seine »Bemühungen und seine Erfahrung der Ukraine helfen, ein völlig anderes Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung zu erreichen und Transparenz und Offenheit in die Regierungsarbeit zu tragen«.

Alexander Kwitaschwili (Ex-Georgier, Gesundheitsminister): Kwitaschwili war zwischen 2002 und 2010 bereits Gesundheitsminister seines Geburtslandes Georgien unter dem damaligen Präsidenten Michail Saakaschwili.

Er besitzt einen Bachelor in Geschichte der Staatsuniversität Tiflis und einen Master der Robert F. Wagner Graduate School of Public Service in New York. Nach seinem Abschluss 1993 arbeitete er kurze Zeit in den USA in der Finanzverwaltung des Atlanta Medical Center. Noch im gleichen Jahr kehrte er nach Georgien zurück, um für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zu arbeiten.

 

Später war er in verschiedenen Positionen für einige Organisationen im Gesundheitsbereich tätig, wie etwa dem United Methodist Committee on Relief, der Curatio International Foundation, dem East/West Institute in New York und der Organisation Transatlantic Partners Against AIDS.

Von 2010 bis 2013 war Kwitaschwili Rektor der Staatlichen Universität Tiflis.

Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk hat Kwitaschwili damit beauftragt, durchgreifende Reformen durchzuführen, um der ausufernden Korruption in den Gesundheitsbehörden zu begegnen.

Kwitaschwili, der die ukrainische Sprache nicht beherrscht, sagte, auch wenn er noch nicht lange in der Ukraine lebe, empfinde er »tiefen Respekt für die Ukraine und ihre Bevölkerung«. »Ich habe in den vergangenen drei Monaten an Reformen in der Ukraine gearbeitet, aber meine Liebe zu diesem Land reicht sehr viel weiter zurück«, erklärte er am 2. Dezember.

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