Leitender Vatikan-Geistlicher wegen Geldwäsche verhaftet

A woman walks past the entrance of the courthouse in Rome

Eine Frau geht am Eingang zum Gerichtsgebäude in Rom 28. Juni 2013
REUTERS/ Toni Gentile

http://www.reuters.com/article/2013/06/28/us-vatican-bank-arrests-idUSBRE95R07U20130628

Von Philip Pullella
Übersetzung: Patrizia

ROM | Freitag 28. Juni 2013 10:36 am EDT

(Reuters) – Ein hoher katholischer Geistlicher, mit Beziehungen zur Vatikanbank, wurde am Freitag verhaftet wegen des Verdachts der Beihilfe, für seine reichen Freunde Dutzende von Millionen Euro Bargeld aus der Schweiz nach Italien einzuschleusen. Ein neuer Schlag gegen das Ansehen des Vatikans.

Monsignor Nunzio Scarano, 61, der als leitender Rechnungsprüfer in der Finanzverwaltung des Vatikans arbeitete, wurde verhaftet sowie ein italienischer Gemeindienstagent und ein Finanzmakler in einem Fall, der sich liest wie ein Spionageroman.

Dieser Fall beinhaltet polizeiliche Abhöraktionen, ein privates Flugzeug, das gemietet wurde um das Bargeld in Locarno einzusammeln, verbrannte Mobiltelefone und ein angeblich korrupter Gemeindienstagent, der versprach, das Geld am Zoll vorbei zu schleusen.

Einzelheiten des Falles gegen Scarano werden sehr peinlich für Papst Franziskus sein, der es seit seiner Wahl im März demonstrativ vermieden hat, auf viele der Fallstricke in diesem Amt hinzuweisen, und der bestrebt ist, die Wichtigkeit eines einfachen Lebens der Hingabe hervorzuheben.

Erst vor zwei Tagen verkündete der Vatikan, daß er eine Untersuchungskommission für die Vatikanbank angeordnet habe, die formell bekannt ist als Institut für die Religionsarbeit (Institute for Works of Religion (IOR)), welche bereits in den vergangenen Jahrzehnten für eine Reihe von Skandalen gesorgt hat.

Scarano, der in einer römischen Gemeinde verhaftet wurde und in das Roms Queen of Heaven Jail-Gefängnis verbracht wurde, habe einen Plan ausgetüftelt um 40 Millionen Euro (52 Millionen Dollar) nach Italien, für eine Schiffbauer-Familie in seiner Heimatstadt Salerno in Süditalien, zu transferieren, sagte Ermittlungsbeamter Nello Rossi zu Reportern.

Rossi steckt bereits in den Ermittlungen gegen die Vatikanbank wegen Geldwäsche, woraus die neueren Verhaftungen rühren. Rossi und sein Kollege Stefano Pesci sagten, es gebe bisher keine Anzeichen, daß die Bank direkt beteiligt gewesen sei in dem Bestreben, Geld nach Italien einzuschleusen, aber daß die Ermittlungen weitergingen und weitere Untersuchungen geplant seien.

Gegen Scarano wird in Süditalien in einer weiteren Untersuchung ermittelt hinsichtlich seiner Konten in der Vatikanbank.

MOBILTELEFONE ZERSTÖRT

Rossi zufolge habe Scarano im Juli letzten Jahres Giovanni Zito engagiert, einen paramilitärischen Polizisten, der auf der Gehaltsliste der Geheimdienste steht, der ihm helfen sollte, das Geld, das auf einem Schweizer Bankkonto lag, ohne Steuer- und Zollkontrollen nach Italien zu bringen.

Die dritte Person, die verhaftet wurde, war Giovanni Carenzio, ein Finanzmakler mit Büros in der Schweiz sowie auf den Kanarischen Inseln, der als Treuhänder für die Eigentümer des Geldes agierte.

Es war allerdings nicht klar wie oder wann das Geld überhaupt erst in die Schweiz gelangte.

Die drei hatten ursprünglich geplant, 40 Millionen Euro Bargeld zurückzuholen, aber reduzierten dies schließlich auf 20 Millionen Euro. Ein Privatflugzeug flog von Rom nach Locarno und verblieb dort mehrere Tage bevor es nach Rom zurückkehrte, allerdings ohne das Geld. Aufgrund von Missverständnissen zwischen den dreien hat das Geld die Schweiz nie verlassen. Rossi fügte hinzu, daß in diesem Fall benutzte Mobiltelefone später verbrannt und damit vernichtet wurden. Zito habe versprochen seine Beziehungen zum Geheimdienst zu nutzen um Zollkontrollen zu umgehen. Es war geplant, daß das Flugzeug auf einem römischen Flughafen bereitstehen und das Geld mit bewaffneter Begleitung zu Scaranos Haus in Rom gebracht werden sollte, sagte Rossi, der dieses Komplott „aufwendig geplant“ nannte.

Auch wenn das Geld die Schweizer Bank nie verlassen habe, verlangte Zito, der nun in einem Militärgefängnis ist, nach seiner Bezahlung, die ihm für seine Dienste versprochen wurde.

Scarano gab Zito zwei Schecks, einen über 400.000 Euro und einen weiteren über 200.000 Euro. Zito löste den ersten Scheck ein, aber Scarano hatte den zweiten sperren lassen indem er den Verlust des Schecks anzeigte, bevor Zito ihn zu Geld machen konnte.

VATIKAN BEREIT, ZU KOOPERIEREN

Auf die Frage, ob es um Geldwäsche ginge, sagte Rossi, das würde davon abhängen, ob die weiteren Untersuchungen ergäben, daß die Quelle des Geldes eine kriminelle Aktivität sei.

„Wir versuchen herauszubekommen woher die riesigen Summen Geld stammen, die Scarano zur Verfügung standen, der der Inhaber von mehreren Konten im IOR ist“, sagte Rossi.

Der Sprecher des Vatikans, Vater Federico Lombardi sagte, die Verantwortlichen im Vatikan seien bereit, mit den italienischen Ermittlern zu kooperieren, aber sie seien bisher nicht offiziell darum gebeten worden.

Er sagte, die FIA, die Informationsabteilung der vatikaneigenen Finanzbehörde, verfolge den Fall und würde helfen, sofern es nötig sei.

Rossi sagte, seine Dienststelle würde die Erlaubnis des Vatikans einholen, der ein souveräner Staat sei, Amtspersonen zu befragen. „Dies ist nur ein Teil in einem viel größeren Mosaik“, sagte er.

Scarano, der Rossi zufolge für eine deutsche Bank arbeitete bevor er Priester wurde, war seit Jahren ein leitender Rechnungsprüfer für die Vatikan-Abteilung, die als APSA bekannt sei, dessen offizieller Titel Verwaltung des Vermögens des Apostolischen Stuhls sei (Patrimony of the Apostolic See).

Er wurde vor einigen Wochen von seinen Aufgaben entbunden, da seitens der Ermittlungsbehörden in Salerno gegen ihn ermittelt wurde.

In dieser Untersuchung sagte sein Anwalt Silverio Sica, daß wohlhabende Freunde Scarano Geld gespendet hatten damit er eine Unterkunft für unheilbar Kranke bauen könne.

Sica zufolge wollte sein Klient das Geld dafür benutzen um seine Hypothek abzuzahlen damit er dieses Anwesen in Salerno verkaufen und den Erlös für den Bau dieser Pflegestelle verwenden könne.

Weil er offensichtlich seine Spuren verwischt habe, wurde Scarano angeklagt, 560.000 Euro Bargeld aus seinem Konto in der Vatikanbank genommen zu haben und verschiedene Beträge an Freunde gegeben zu haben, die ihm Schecks dafür gegeben haben. Er habe dann die Schecks auf ein italienisches Bankkonto eingezahlt um die Hypothek zu tilgen.

„Scarano war in der Lage, die Bank für seine persönlichen Motive zu nutzen“, sagte Rossi.

(weiterer Bericht von Antonalle Cinella und James Mackenzie, Redaktion: Mike Collet-White)



Kategorien:Banken bloßgestellt, Bankensystem, Kirche, News

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