Korruptionsskandal um französischen Großindustriellen Tapie

http://www.thelocal.fr/20130624/french-tycoon-tapie-held-over-corruption-scandal

Veröffentlicht: 24 Juni 2013 12:36 GMT+02:00
Updated: 24 Juni 2013 12:36 GMT+02:00
Übersetzung: Patrizia

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Der umstrittene französische Großindustrielle Bernard Tapie wurde am Montag von Untersuchungsbeamten in Gewahrsam genommen, die einen mutmaßlichen Korruptionsskandal untersuchen, in den die Chefin des IWF (Internationaler Währungsfonds) und französische Ex-Finanzministerin Christine Lagarde verwickelt ist.

Tapie, der bis zu vier Tage ohne Anklage festgehalten werden kann, wurde wegen einer 400 Millionen Euro-Staatsauszahlung befragt, die er 2008 erhalten hat als Lagarde Frankreichs Finanzminister war.

Ein streitlustiger Tapie spielte das Ganze herunter. „Es ist mir scheißegal“, sagte er am frühen Montag zu Radio Europe 1. „Ich mache mir keine Sorgen. Ich kann mir nicht vorstellen, was sie finden könnten.“

Die Barauszahlung an Tapie, der eine Gefängnisstrafe wegen Spielmanipulation während seiner Zeit als Präsident von Frankreichs größtem Fußballclub Olympique de Marseille verbüßte, geht zurück auf einen Streit zwischen dem Geschäftsmann und der teils staatlichen Bank Credit Lyonnais wegen seines Verkaufs der Sportgruppe Adidas 1993.

Tapie behauptete, daß die Credit Lyonnais ihn betrogen habe indem sie absichtlich Adidas unterbewertete zum Zeitpunkt des Verkaufs und daß der Staat, als oberster Anteilseigner, ihn dafür entschädigen solle.

bernard-tapie-ispt-lagardeLagarde war dafür verantwortlich, daß die Angelegenheit an ein Drei-Mann-Schiedsgericht verwiesen wurde, das die Angelegenheit in Tapies Sinne regelte.

Drei Personen wurden seit Mai in dieser Angelegenheit wegen organisiertem Betrug angeklagt, einschließlich Stéphane Richard, dem Chef des Telekommunikationsgiganten Orange.

Der Firmenvorstand hat allerdings dafür gestimmt, Richard in seiner Position zu belassen, und der französische Präsident François Hollande hat ihm starke Unterstützung zugesichert. Der französische Staat ist ein Hauptanteilseigner von Orange.

Richard war Lagardes Vorgesetzter als sie 2008 die Auszahlung an Tapie genehmigte.

Lagarde wird verdächtigt, den Prozess manipuliert zu haben, der zu der Auszahlung führte, um sicherzustellen, daß Tapie die Zahlung erhält damit dieser im Gegenzug ihren Chef, Nicolas Sarkozy, bei seinem erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf 2007 unterstütze.

Aus ermittlungsnaher Quelle verlautete, daß Richard berichtet habe, Tapie sei bei einem Treffen im Elysee-Palast 2007 zugegen gewesen.

Die IWF-Chefin wurde im Mai zwei Tage lang befragt zu ihrer Rolle in dieser Angelegenheit.

Es wurden keine offiziellen Ermittlungen gegen sie aufgenommen – das französische Äquivalent für eine Anklage in anderen Rechtssystemen – aber sie bleibt, was als „Hilfszeugin“ bezeichnet wird, was bedeutet, daß Richter sie für weitere Befragungen jederzeit vorladen können.

Gegen ein Mitglied des Schiedsgerichts, Pierre Estoup, 86, wurden, unter der gleichen Anklage wie bei Richard, offizielle Ermittlungen aufgenommen.

Ebenso in gleicher Sache angeklagt wurde Jean-François Rocchi, früherer Präsident des CDR, einer ad hoc-Struktur, die vom Staat 1995 erschaffen wurde, um die Schulden der seinerzeit angeschlagenen Credit Lyonnais-Bank auszugleichen, der mit Tapie während des Rechtsstreits zu tun hatte und durch den die Auszahlung gemacht wurde.

Der Vorstand des Internationalen Währungsfonds hat wiederholt sein Vertrauen in Lagarde zum Ausdruck gebracht und sagte, es gebe keinen Grund, daß sie ihre Aufgaben ruhen lasse, während der Korruptionsfall abgeschlossen werde.

Diese Haltung wird unausweichlich unter Beweis gestellt werden, sollte gegen Lagarde offiziell ermittelt werden.

Bernard-Tapie-032013LKritiker von Lagardes Entscheidung, den Tapie-Fall an ein Schiedsgericht zu geben, sagen, auch wenn es kein

fragwürdiges Motiv gegeben habe, hätte sie das Risiko nicht eingehen sollen, den Staat zu zwingen, einem verurteilten Kriminellen eine Entschädigung zu zahlen, der zu dieser Zeit bankrott war.

Lagarde hat immer behauptet, daß sie im besten öffentlichen Interesse gehandelt habe, und ihre Unterstützer hoben hervor, daß sie die Idee des Schiedsgerichts von ihrem Vorgänger im Finanzministerium übernommen habe.

AFP/The Local (dan.macguill@thelocal.com)



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