Asien drosselt nach dem Fund gentechnisch veränderter Stichproben Weizenimporte aus USA

t2s-guardian-us-genetically-modified-wheatam 31.05.2013 von Suzanne Goldberg http://www.guardian.co.uk

Übersetzung: Océane

Der Fund von in skrupelloser Weise genmanipuliertem Weizen im Feld eines Landwirts in Oregon erschütterte am Freitag das weltweite Vertrauen in die Sicherheit der amerikanischen Lebensmittelversorgung.

Milliarden von Lebensmittelexporten waren potentiell gefährdet, nachdem das amerikanische Landwirtschaftsministerium die Existenz der gentechnisch veränderten Weizenpflanzen bekanntgab.

Diese gentechnisch veränderte Variante, welche vom Landwirtschaftsgiganten Monsanto entwickelt wurde, war niemals für den menschlichen Verbrauch genehmigt worden.

Die Entdeckung in Oregon – etwa zehn Jahre nach dem Ende von Felderprobungen in diesem Staat – rief Besorgnis unter den ausländischen Hauptkäufern von amerikanischem Weizen sowie eine anwachsende Aktivität in der Anti-Genmanipulationsbewegung in den USA hervor.

Die EU forderte ihre Mitgliedsstaaten am Freitag auf, Weizenlieferungen aus den USA stichprobenweise zu überprüfen. Die EU importiert über 1,1 Mill. Tonnen Weizen pro Jahr.

Asien hat seine Tore für den amerikanischen Weizenimport ebenfalls geschlossen. Südkorea, welches im vergangenen Jahr die Hälfte seines Weizens aus den USA importierte, folgte dem Beispiel Japans und bestellte seine Importe ab. Thailand hat seine Häfen alarmiert. China und die Philippinen gaben an, die Untersuchungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums zu den Genmanipulationen genauestens zu verfolgen.

“Dies bedeutet einen herben Schlag für alle Weizenbauern. Ich vermute, dass der Weizenpreis bereits am Absinken ist“, sagte Fred Kirschenmann, ein früherer Angehöriger des Leopold Centre for Sustainable Agriculture an der Iowa State Universität, welcher selber 2.600 Morgen Land mit biologischem Weizen bebaut.

“Es wird definitiv Auswirkungen haben, denn es geschieht zu einer Zeit, in der es wachsende Besorgnis hinsichtlich gentechnisch veränderter Lebensmittel gibt. Dies sind also keine guten Neuigkeiten für die Weizenbauern.“

Lebensmittelsicherheit und Umweltgruppen haben in den letzten Monaten ihre Aktivitäten rund um die Aufklärung über gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe erheblich verstärkt.

Vermont, Connecticut und New York engagieren sich für Vorschriften zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel – ein Schritt, der von Monsanto und anderen großen Biotech-Unternehmen erbittert bekämpft wird.

Kirschenmann sagte, diese Nachricht könnte sich förderlich auf die öffentliche Besorgnis darüber auswirken, ob man gentechnisch veränderte Lebensmittel zu sich nimmt oder sie lieber meidet.

Andere Stimmen argumentieren, dass die Enthüllung in Oregon eine weitere Erinnerung an die Schwierigkeit darstellt, gentechnisch veränderte Lebensmittel aus der Lebensmittelkette auszuschließen.

“Dies ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisberges”, sagte Doug Gurian-Sherman, ein Wissenschaftler, der früher an den Lebensmittel- und Umweltprogrammen der Union of Concerned Scientists beteiligt war.

“Dort wo die Menschen gesucht haben, haben sie stellenweise Kontamination gefunden. Doch die meiste Zeit sucht niemand“, sagte er.

In ihrem Bericht von 2008 beschreibt das Government Accountability Office sechs Fälle, in denen gentechnisch verändertes Getreide Eingang in die amerikanische Lebensmittelversorgung gefunden hat.

Gurian-Sherman hat seither noch einige weitere festgehalten. In fast allen dieser Fälle fanden sich nur geringe Spuren der Kontamination.

Er stellte jedoch fest, die Wiederholung solcher Vorfälle ließe vermuten, dass die Standards, welche denen Europas unterlegen sind, zu nachlässig wären. „Die Kontamination ist sehr gering, wahrscheinlich weniger als 1%“, sagte er. „Aber selbst trotz dieses Einwandes glaube ich nicht, dass die Menschen viel darauf vertrauen sollten, dass es keine Kontaminationsvorfälle gegeben hat.“

Landwirtschaftsunternehmen wie Monsanto führen jährlich um die 1000 Tests an genmanipuliertem Getreide durch, oft in unterschiedlichen Gegenden des Landes. In jedem Jahr können Firmen genmanipulierte Baumwolle und Futtergetreide testen sowie Lebensmittel wie Früchte oder Tomaten.

Monsanto beantragte in 2011 weitere Genehmigungen, um eine neue Variante genmanipulierten Weizens in Hawaii und North Dakota zu testen.

“Wenn man all dies zusammenzählt, dann wäre ich nicht überrascht, wenn es nicht noch irgendein experimentelles Gen gäbe, das über solche Getreidesorten in Umlauf gelangt ist, ohne dass irgendjemand sie getestet hätte“, sagte Gurian-Sherman.

Die Regierung untersucht derzeit, auf welchem Wege die genmanipulierten Weizenpflanzen in dieses Feld in Oregon gekommen sind.

Monsanto sagte in einem Website-Statement, sie würden mit den Behörden zusammenarbeiten, und dass der Einfluss dieser Kontamination nicht gesundheitsbedrohlich wäre.

“Monsanto wird mit dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium zusammenarbeiten, um die Entdeckung des gentechnisch veränderten Weizens zu untersuchen. Es bestehen keinerlei Bedenken hinsichtlich Verzehr, Fütterung oder Umwelt in Zusammenhang mit der Präsenz des Roundup Ready Gens, falls sich dessen Anwesenheit im Weizen herausstellen sollte“, sagte das Unternehmen.

Gentechnisch veränderte Varianten sind derzeit die Norm bei US Mais, Baumwolle und der gesamten Sojabohnenernte des letzten Jahres. Laut Schätzungen enthalten ca. zwei Drittel der in den USA verarbeiteten Lebensmittel einige gentechnisch veränderte Zutaten.

Aufgrund weit verbreiteten öffentlichen Widerstandes konnte gentechnisch veränderter Weizen trotzdem nicht Fuß fassen, und Monsanto unterließ weitere Bemühungen hinsichtlich seiner kommerziellen Entwicklung.

Das Unternehmen führte jedoch zwischen 1998 und 2005 in 16 Staaten großflächige Versuche mit gentechnisch verändertem Weizen durch. Die letzten solcher Tests in Oregon wurden vor 10 Jahren, im Jahr 2001, gepflanzt, sagte das Landwirtschaftsministerium der USA.

Diese Entscheidungen könnten den USA nun auf den Kopf fallen, meinte Danielle Nierenberg, Gründerin von The Food Tank. „Wir haben in den letzten Jahren viel Zeit damit verbracht, China und andere Länder wegen Sicherheitsthemen anzugreifen. Selbst treiben wir hier aber Schindluder mit dem Vertrauen der Menschen in unser Lebensmittelsystem“, sagte sie. „Die USA erheben seit langer Zeit Anspruch darauf, dass wir das sicherste und reichste Lebensmittelsystem der Welt hätten – und was hier passiert, unterminiert diese Behauptungen.“



Kategorien:Hinter den Kulissen der Macht, Umwelt, Umweltmanipulation

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