Chefin des IWF Christine Lagarde vor Gericht wegen Veruntreuung und Betrug

London Evening Standard

http://www.standard.co.uk

Übersetzung: Patrizia

Chefin des IWF Christine Lagarde vor Gericht wegen Veruntreuung und Betrug

Christine-Lagarde

Peter Allen

23 Mai 2013

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds nahm heute Platz auf der Anklagebank eines Pariser Gerichtssaals, wo sie sich darauf vorbereitete, formell wegen Veruntreuung und Betrug belastet zu werden.

Christine Lagardes Erniedrigung ist nicht nur ein massiver persönlicher Rückschlag, der zu ihrem Rücktritt führen könnte, sondern der ebenfalls noch weitere Schande über das Weltbankensystem bringen könnte.

Die offenkundig nervöse 57-Jährige sagte nichts zu den Reportern, als sie kurz nach 8.30 Uhr das Gerichtsgebäude der Republik betrat, einem besonderen Gerichtshof, der über die Vorgehensweisen von Frankreichs Regierungsmitgliedern urteilt.

Lagarde sieht einer Höchststrafe von 10 Jahren Gefängnis entgegen, sollte sie der sehr ernsten Anklagen für schuldig befunden werden.

Als sie unter Präsident Nicolas Sarkozy Finanzministerin war, solle sie eine 270 Millionen Pfund-Zahlung autorisiert haben an einen von Sarkozys prominenten Unterstützern, und somit ihre Regierungsstellung missbraucht haben.

Das Geld ging an Bernard Tapie, einem Steuerhinterzieher, der wegen Fußball-Spielmanipulation verurteilt wurde, und der Lagarde und Sarkozys UMP-Partei unterstützt hat.

Dies ereignete sich, nachdem Dominique Strauss-Kahn, ein weiterer älterer französischer Politiker, als IWF-Chef entlassen wurde aufgrund von Vorwürfen, er habe versucht, ein Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel zu vergewaltigen.

Ms. Lagarde hat erfolgreich als Nachfolgerin von Mr. Strauss-Kahn kandidiert, kurz nachdem er wegen der angeblichen Straftat festgenommen wurde.

Aber nun ist es Ms. Lagarde, eine Anwältin und Synchronschwimmstar im Ruhestand, die selber einem langen Gerichtsprozess entgegenblickt wie auch einer möglichen Gefängnisstrafe.

Dieser Skandal bringt nicht nur weitere Schande über Frankreichs politische Klasse, sondern beunruhigt auch Politiker und Banker, die verzweifelt versuchen die globale Finanzkrise zu beheben.

Mr. Tapie, der frühere Chef von Adidas Frankreich, behauptet, er wäre um Millionen von der Credit Lyonnais Bank betrogen worden, als die Sportgruppe 1993 verkauft wurde.

2007 beendete Ms. Lagarde diese lange Auseinandersetzung indem sie ein Schiedsgericht einberief, das wiederum Tapie eine Entschädigung für seinen Schaden zusprach.

Parlamentsmitglieder der Opposition waren erbost, wie der frühere Präsidentschaftskandidat Francois Bayrou, der Ms. Lagarde beschuldigte, „in die Taschen des Steuerzahlers zu greifen zum Zwecke privater Begünstigung“.

Mr. Strauss-Kahns Sozialistische Partei beschuldigte Ms. Lagarde ebenfalls eines missbräuchlichen Vorgehens, und wies darauf hin, dass Mr. Tapie ein lautstarker Unterstützer von Sarkozy sei.

Ms. Lagardes Anwalt, Yves Repiquet, sagte, die Untersuchung sei „in keiner Weise unvereinbar“ mit ihrem neuen Job, und er erwarte, dass der Fall abgewiesen würde.

Ms. Lagarde leugnet jegliches Fehlverhalten. Sie sagte vor dem heutigen Erscheinen vor Gericht: „Wenn entschieden wird, diese Untersuchung weiterzuführen, würde es mich nicht besonders überraschen. Es beunruhigt mich persönlich überhaupt nicht – ich hatte persönlich keinen Vorteil dadurch.“

Aber es wurde breit berichtet in den französischen Medien, dass die Ermittlungsbeamten beabsichtigen, sie wegen Betruges und Veruntreuung anzuklagen.

Le Monde berichtete, dass Richter Ms. Lagarde bereits mitgeteilt haben, dass sie keine besondere Behandlung erwarten dürfe, nur weil sie wegen ihres internationalen Jobs in der Öffentlichkeit stehe.



Kategorien:Banken bloßgestellt

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1 reply

  1. Inzwischen Fall geschlossen ohne Anklage.

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