Du bist nicht Besitzer deiner „eigenen“ Gene

Golden gene in DNAam 25.03.2013 auf http://weill.cornell.edu

Übersetzung: Peter

Forscher warnen vor dem Verlust der individuellen “Gendatenbank” aufgrund von Genpatenten, die Einfluss auf die persönliche Medizin haben können

NEW YORK (25. März 2013) – Menschen besitzen ihre eigenen Gene nicht, die zellularen Chemikalien, die bestimmen, wer wir sind und welche Krankheitsrisiken wir tragen. Mit mehr als 40.000 auf DNA-Moleküle angemeldeten Patenten haben Unternehmen praktisch das ganze menschliches Genom beansprucht, um Gewinn zu erzielen – laut zwei Forschern, die menschliche DNA Patente analysiert haben. Ihre Studie, am 25. März im Journal „Genome Medicine“ publiziert, schlägt Alarm über den Verlust der individuellen „Gendatenbank“.

In ihrer Analyse haben die Forscher zwei patentierte DNA-Sequenzen untersucht: lange und kurze Fragmente. Sie haben herausgefunden, dass 41% des menschlichen Genoms durch lange DNA-Patente gedeckt sind, die öfters ganze Gene abdecken. Festgestellt wurde auch, dass viele der Gene ähnliche Sequenzen in ihrer genetischen Struktur aufweisen, und wenn alle „kurze Sequenzen“ zusammen erlaubt werden, können sie 100% der Genome abdecken.

Der Hauptautor der Studie, Dr. Christopher E. Mason von Weill Cornell Medical College, und der Mitautor, Dr. Jeffrey Rosenfeld, ein Assistent Professor der Medizin bei The University of Medicine & Dentistry of New Jersey und ein Mitglied der High Performance and Research Computing Group, haben festgestellt, dass die kurzen Sequenzen der Patente auch fast das gesamte Genom abdecken – sogar außerhalb der Gene.

„Falls die Patente in Kraft treten, ist unsere Gendatenbank verloren“ sagt Dr. Mason, ein Assistenzprofessor der Physiologie, Biophysik und berechnete Biomedizin bei dem Institute for Computational Biomedicine bei Weill Cornell. „Jetzt wo wir die Ära der personalisierten Medizin betreten, leben wir ironischerweise im Zeitalter der meisten Einschränkungen der Genetik. Man muss sich fragen, wie ist es möglich, dass mein Arzt meine DNA nicht untersuchen kann, ohne Patentrechtsverletzungen zu begehen?“

Das höchste Gericht der USA wird die genomischen Patentrechte am 15. April verhandeln. Hauptfrage ist, hat eine Firma der Molekulardiagnostik die Möglichkeit, Patente auf zwei wichtige Brust- und Eierstockkrebsgene – BRCA1 und BRCA2 – zu sichern, und auch auf eine kleine Sequenz innerhalb der BRCA1, und ein eklatantes Patent für nur 15 Nukleotide.

In der Studie hat die Forschungsmannschaft kleine Sequenzen des BRCA1 Gens mit anderen Genen verglichen, und man hat festgestellt, dass die Patente von nur dieser einen Firma mindestens 689 andere Gene beinhalten – die meisten davon haben nichts mit Brust- oder Eierstockkrebs zu tun; in der Tat decken die Patente 19 andere Krebsarten absowie die Gene, die in der Hirnentwicklung und Herzfunktion wichtig sind.

„Das heißt, falls das Gericht den jetzigen Patenten zustimmt, kann kein Arzt oder Wissenschafter die DNA der Gene ihrer Patienten untersuchen, keine diagnostischen Tests oder Medizin können entwickelt werden, ohne ein Patent zu verletzen“ so Dr. Mason.

Eine patentierte Sequenz stimmt mit mehr als 91% des menschlichen Gens überein

Dr. Mason hat die Studie eingeleitet, weil seine Forschungen der Hirn- und Krebsstörungen dazu geführt haben, dass er patentierte Gene untersuchen musste.

Unter US-Patentrecht können Gene durch Wissenschaftler bei Unternehmen oder Institutionen patentiert werden, die als erste Gene finden, die möglicherweise nützlich werden können, etwa für eine Diagnose. Zum Beispiel haben die Patente einer Firma über BRCA1 und BRCA2 aus den 1990en es ermöglicht, einen diagnostischen Test für Frauen die möglicherweise Brust- oder Eierstockkrebs haben oder zur Risikogruppe gehören, auf Mutationen in einem oder beiden Genen zu prüfen. Frauen und ihre Ärzte haben keine Wahl, sie müssen die Dienste des Patentbesitzers benutzen, $3.000 je Test. „Dabei können hunderte klinische Labors den gleichen Test durchführen, und wahrscheinlich viel günstiger“ so Dr. Mason.

„Die Auswirkungen der Patente erschweren auch die Forschung“, fügt Dr. Mason zu. „Fast jeden Tag finde ich ein Gen, welches patentiert ist – eine gewöhnliche Situation für jeden Genforscher im jeden Labor.“

Dr. Mason und sein Partner wollten herausfinden, wie viele andere Gene durch die Patente betroffen waren, und auch ein Gesamtbild des Immaterialgüterrechts der menschlichen Genome.

Um die Studie durchzuführen, haben Dr. Mason und Dr. Rosenfeld die Struktur des menschlichen Genoms in Zusammenhang mit zwei patentierten Sequenzen, kurze und lange Fragmente der DNA, geprüft. Die Gene wurden mit den patentierten Genen verglichen, in der Bandbreite von weniger als 15 Nukleotiden (die Bausteine von DNA) bis zur vollen Länge der patentierten DNA Fragmente.

Bevor die patentierten Sequenzen untersucht wurden, haben Forscher erst kalkuliert, wie viele der Gene geteilte Segmente von 15 Nukleotiden (15mer) haben, und haben festgestellt dass jedes Gen in dem menschlichen Genom mindestens mit einem anderen Gen übereingestimmt, mit so wenig wie fünf Übereinstimmungen 15mer bis zu 7,688 Gen Übereinstimmungen. Sie haben aus herausgefunden, dass 99,999% von 15mers im menschlichen Körper mindestens zweimal übereinstimmen.

„Das demonstriert, wie sehr die kurzen patentierten Sequenzen unspezifisch sind, und dass ein 15mer Anspruch eines Gens immer übereinstimmen wird mit einem anderen, und dadurch wird eine anderer Teil auch mit eingeschlossen“ sagt Dr. Mason. „Das heißt dass es unmöglich ist, ein 15mer Patent auf ein Gen zu beschränken.“

Als Nächstes haben Forscher die kompletten Sequenzen des menschlichen Gens untersucht. Sie haben 58 Patente gefunden wo die Ansprüche mindestens 10% aller Grundsteine des menschlichen Gens abdecken. Das Patent mit den meisten Ansprüchen hat mit 91,5% des menschlichen Gens übereingestimmt. Danach haben die Forscher bereits gültige Patentansprüche mit patentierten 15mers verglichen und festgestellt, dass 100% der bekannten Gene patentiert sind.

“Das ist eine echte Kontroverse in Bezug auf Eigentum wegen der vielen Querverweise der angemeldeten Patentbehauptungen. Es ist unklar wer wirklich die Rechte auf ein Gen besitzt“, sagt Dr. Rosenfeld. „Das Gericht verhandelt über nur einen Fall bezüglich des BRCA1 Patents. Aber da gibt es noch viele andere Patente, die Ansprüche auf die gleichen Gene erheben. Müssen wir jedes Gen untersuchen, um zu sehen, wer den ersten Anspruch erhoben hat, selbst wenn es nur ein kleines Teil ist? Falls wir diese Regelung benötigen, haben die ersten Patente, erteilt auf jegliche DNA, riesige Ansprüche auf das menschliche Genom.“

Eine weitere Sorge ist, dass Patente auf DNA schnell auf andere Spezies überspringen. Ein Unternehmen kann ein erteiltes Patent auf Rinderzüchtung auch verwenden, um ein Großteil der menschlichen Gene zu beanspruchen. Tatsächlich haben die Forscher eine Firma gefunden, die 84% der menschlichen Gene beanspruchen, und das durch ein Patent auf Rinderzüchtung. „Es ist sinnfrei dass ein Patent auf Rindergenetik auch ein Großteil der menschlichen Genen beinhaltet“ sagt Dr. Rosenfeld.

Zum Schluss sind auch die längeren DNA Sequenzen von bestehenden Patenten überprüft worden, von ein paar dutzend bis mehrere tausend DNA Stränge. Dabei ist festgestellt worden dass 41% (9,361) des menschlichen Gens patentiert ist. Die Forscher haben festgestellt, dass fast alle klinisch wichtigen Gene bereits patentiert sind, besonders die kurzen Sequenzen, und zeigen, dass alle menschlichen Gene mehrmals patentiert sind.

„Es ist lächerlich – falls die Patentrechte auf die kurzen Sequenzen aufrechterhalten werden, haben wir möglicherweise eine Situation wo jedes Stück der menschlichen Genome durch eine breite Sammlung konkurrierender Patente beansprucht wird.“ Sagt Dr. Mason.

In ihrer Diskussion argumentieren die Forscher dass das Gericht die Möglichkeit hat, ein Gleichgewicht zwischen medizinischem Fortschritt und Erfinderschutz herzustellen, und ihrer Meinung nach sollte das Gericht die Patentierung bereits existierender nukleotider Sequenzen begrenzen, aufgrund des breiten Umfangs und der Nicht-Spezifität des Genoms.

„Ich bin sehr für Patente, aber ich glaube einfach, dass Menschen ein Produkt der Natur nicht patentieren können“ sagt Dr. Mason, „außerdem glaube ich, dass Individuen ein Recht auf ihr eigenes Genom haben, oder einem Arzt erlauben kann, es zu untersuchen, genau wie die Lungen oder Nieren. Falls eine Lösung nicht gefunden wird, bleibt die Gefährdung der genetische Datenbank und die Gefahr, das Recht auf seine eigene DNA zu verlieren“ so Dr. Mason.

Weill Cornell Medical College

Weill Cornell Medical College, Cornell University’s Medizinschule in New York City, hat sich verpflichtet, exzellente Forschung, Ausbildung, Patientenpflege und Medizinwissenschaft zu fördern, lokal, national und global. Ärzte und Wissenschaftler des Weill College sind involviert in innovative Forschung von dem Labortisch bis zur Bettkante, um die Mysterien des menschlichen Körpers zu entschlüsseln, gesund oder krank, und um neue Behandlungen und Vorsorgen zu entwickeln. Durch ihre Arbeit hat Weill Cornell eine starke Präsenz in Qatar, Tansania, Haiti, Brasilien, Österreich und in der Türkei. Durch das historisches Weill Cornell College in Qatar ist das Medical College das erste in den USA, das einen MD Abschluss im Ausland anbietet. Viele medizinische Fortschritte stammen von Weill Cornell – einschließlich der „Pap“ Test für Gebärmutterhalskrebs, die Synthese von Penicillin, die erste erfolgreiche Schwangerschaft und Geburt in den USA nach einer Embryonen-Biopsie, der erste klinische Versuch, durch Gentherapie Parkinson zu behandeln, und neulich die erste erfolgreiche Tiefen-Hirn-Stimulation-Behandlung eines hirngeschädigten Patienten. Weill Cornell ist mit dem New York Presbyterian Krankenhaus verbunden, um umfassende Patientenbehandlung zu leisten. Das Medical College ist auch mit dem Methodist Krankenhaus in Houston verbunden. Weitere Informationen auf weill.cornell.edu.

University of Medicine and Dentistry of New Jersey

Die University of Medicine and Dentistry of New Jersey (UMDNJ) ist New Jersey’s einzige medizinisches Universität mit über 6.000 Studenten auf fünf Unigeländen, mit drei Medizinschulen, einer Schule für Medizinberufe, eine Krankenpflegeschule, einer Schule für biomedizinische Wissenschaften und die einzige Schule in New Jersey für öffentliche Gesundheit. UMDNJ betreibt ein Universitätskrankenhaus, ein Traumazentrum in Newark, eine Universität der Behavioral HealthCare, um eine kontinuierliche Gesundheitsfürsorge zu leisten.

Kontakt:

External Affairs

pr@med.cornell.edu



Kategorien:Hinter den Kulissen der Macht, Medizin

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