Private Firmen besitzen deine DNA – wieder

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Cartoon von Cathy Wilcox

auf http://www.forbes.com

Übersetzung: Peter

Viele Wissenschaftler haben letztes Jahr gefeiert, als ein Bundesrichter entschieden hat, dass menschliche Gene nicht patentiert werden können. Die Gerichtsverhandlung war gegen Myriad Genetics, die Patentrechte auf zwei Gene halten, BRCA1 und BRCA2. Die Gene sind mit erhöhtem Risiko bei Brust- und Eierstockkrebs in Verbindung gebracht worden. Dank dieser Patente können die Gene im eigenen Körper nicht betrachtet werden, ohne an Myriad Genetics Gebühren zu zahlen. Hört sich verrückt an, oder? Allerdings war das so bis Mai 2012, als der Richter Robert Sweet die Patente für ungültig erklärt hat.

Jetzt haben die Gerichte das wieder gekippt. In einem 105-Seitigen Urteil haben zwei Bundesrichter entschieden, dass das Ganze von der Definition des Wortes „isoliert“ abhängt. Das ist kein Witz!

Richter Sweets Urteil letztes Jahr basierte auf dem offensichtlichen wissenschaftlichen Fakt, dass Gene ein Produkt der Natur und keine Erfindung sind und daher nicht patentiert werden können. Patentanwälte waren sehr erbost über das Urteil. Warum war das so kontrovers? Weil das U.S. Patentbüro seit Jahrzehnten Patente auf Gene erteilt. Nachdem das USPTO (Patentbüro) ein Patent zugelassen hat, sind jetzt über 4000 der menschlichen Gene patentiert.

Ein Berufungsgericht hat das Urteil gekippt und hat jetzt doch Myriad Genetics die Rechte auf die BRCA Gene bestätigt. Das Urteil von Richter Alan Lourie zeigt einen beträchtlichen Mangel an Wissen über DNA, Gene und Genome. Eigentlich bin ich nicht überrascht, aber ich hatte die Hoffnung, dass nach der Ablehnung der Patente die Wissenschaft und die Logik herrschen würden. Ich sollte nicht die wissenschaftliche Unkenntnis mancher Richter unterschätzen, allerdings muss ich dazu sagen, dass einer der drei Richter dagegen gestimmt hat.

Was war ihre verdrehte Begründung? Sie haben entschieden, dass “isolierte DNA” nicht dasselbe sind wie die natürlichen DNA im Körper, und dieser Unterschied erlaubt die Patentierung durch Firmen. Das Wort „isolated“ kommt 219 Mal im Urteil vor. Dazu schrieben die Richter:

„Laut Myriad kommt isolierte DNA nicht in der Natur vor, und isolierte DNA kann als Probe für Diagnosen verwendet wird, natürliche DNA nicht.“

Unfassbar. Darauf haben Richter Lourie und Moore eine Mini-Lektion in Molekularbiologie gegeben:

„Natürliche DNA existiert im Körper als 46 große, zusammenhängende Moleküle. Isolierte DNA im Vergleich ist eine freie Portion des natürlichen DNA-Moleküls, häufig einzelne Gene… Daher sind die BRCA1 und BRCA2 Moleküle im isolierten Zustand nicht dasselbe wie das natürliche DNA-Molekül im Körper.“

Wissenschaftlicher Schwachsinn, aber das Gericht hat es geglaubt. (Bei TechDirt.com machte Mike Masnick einen schönen Vergleich: „Als würde man argumentieren, dass ein von der Hand getrennter Finger nicht natürlich vorkommt und daher patentiert werden kann.“ Die Richter:

„Daher beschließen wir, dass die angeklagten Behauptungen sich auf patentierbare Materie beziehen, weil die Moleküle merklich anders sind und bestimmte chemische Identitäten haben gegenüber Molekülen, die in der Natur vorkommen.“

Richter Lourie und Moore verstehen die Grundfakten der Genetik nicht: Gene werden durch den Körper „isoliert“ und in die RNA kopiert, um danach in Eiweiß umgewandelt zu werden. Oder vielleicht verstehen sie das und ignorieren es, um die Patente zu behalten. So was passiert wenn Anwälte (und Richter) wissenschaftliche Entscheidungen fällen: Seitenweise wird ein Wort („isoliert“) diskutiert, und das Endergebnis ist wissenschaftlich bedeutungslos.

Richter Bryson schreibt mit mehr Sinn:

„Die Frage hier ist, ob ein Individuum Patentrechte auf menschliche Gene erhalten kann. Der gesunde Menschenverstand würde „Natürlich nicht! Patente sind für Erfindungen, ein Gen ist keine Erfindung“ sagen. Die wesentliche Essenz von Myriad’s Behauptung ist, dass das Gen nicht patentiert wird, sondern etwas ganz anderes ist – ein isoliertes Gen.“

Also sind zwei Richter (Sweet und Brynson) gegen die Patentierung, und zwei dafür. Dieser Fall ist noch nicht vorbei, das Urteil wird mit Sicherheit in Berufung gehen. Derweil berechnet Myriad $4000 für die BRCA1 und BRCA2 Tests. Das heißt, wenn eine Frau ihre eigene DNA auf Mutationen der BRCA Genen überprüfen möchte – einschließlich Mutationen, die nicht bekannt waren zum Zeitpunkt der Patentevergabe – muss sie Myriad dafür bezahlen, ihre eigenen Gene anschauen zu dürfen.

Ich bin kein Rechtsanwalt, aber ich sehe einen Umweg der Myriad Patente. Der Verlass der Richter (und Myriad) auf die “isolierten BRCA Gene” verweist auf einen Prozess der Isolierung und Kopierung der Gene im Labor mittels einer RT-PCR Methode, und dann nur die isolierten Stücke zu analysieren. Heute können wir die komplette Sequenz der menschlichen Genome analysieren, ohne bestimmte Gene zu „isolieren“, für unter 5000 Dollar, und dann können wir auf Mutationen der BRCA Gene testen, ohne sie jemals zu „isolieren“. Ein Kollege und ich haben ein Papier publiziert wie das gemacht wird, und wir haben eine Gratissoftware entwickelt, mit der jeder seine BRCA Gene zuhause prüfen kann. Genomics Law Report hat eine detaillierte Rechtsanalyse über unsere Software gemacht in Bezug auf den Myriad Gerichtsfall.

Wissenschaftlich gesehen sollte es keine Rolle spielen, wie „isolierte“ DNA definiert wird. Und zwei Bundesrichter haben entschieden, dass Gene keine Erfindungen sind. Dazu kommt, dass die Patente Wissenschaftler behindern, die Gene forschen möchten. Ich bin auch erstaunt über die Unverschämtheit von Firmen wie Myriad oder anderen, die behaupten ein Gen zu „besitzen“. Lasst uns hoffen, dass das Berufungsgericht die fehlerhaften Entscheidungen der Richter Lourie und Moore kippen wird, und dass Patentanwälte aus den Labors verschwinden.



Kategorien:Umweltmanipulation, Unternehmen bloßgestellt

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