Geheimnisse des Zypern-Bankraubs

zypern1-721972am 02.04.2013 von Franklin Raff auf http://www.wnd.com

Übersetzung: WSE

fraff_avatarFranklin Raff ist der Geschäftsführer von Raff Radio und tätig in verschiedenen Bereichen der Schiffs- und Segelsport-Industrie inklusive Beflaggung, Registrierung und Dokumentation für Hochseeschiffe sowie die Errichtung von Offshore-Finanzstrukturen für Schiffsprojekte. Er ist der Autor des WND-Artikels „Deadly anarchy on the ‚Freedom Flotilla“.

Exklusiv: Franklin Raff enthüllt überwältigende Geldsummen im Zentrum des Geheimnisses

Ich habe als Flag-Man unter den Piraten des Offshore-Banking gedient. Ich kenne Zypern gut und bin geschäftlich mitten in der Nacht nach Lacarna gesegelt. Aber in dieser Geschichte sind die guten Jungs und die bösen Jungs nicht die, von denen ihr glaubt, dass sie es wären.

Ich möchte aufzeigen, warum die Plünderung Zyperns wahrscheinlich einer der brillantesten Akte von Diebstahl in ganz großem Stil ist, den die Welt je gesehen hat, warum der gestohlene Schatz vielleicht tausendmal größer ist als vermutet und warum die Namen der Opfer sowie der Gesamtwert der Beute für immer ein Geheimnis bleiben werden.

In den Tagen hölzerner Schiffe und eiserner Männer [engl. iron men] plünderten Kolonialreiche ganze Völker aus. Auf See waren unabhängige Gewerbetreibende, Handelsmänner, Freibeuter und Piraten (im weitesten Sinne jene, die operierten, ohne irgendeiner Krone Tribut zu zollen) Meister in der Umgehung der mächtigen Kriegsschiffe unfreundlich gesinnter Nationen. Von großer Bedeutung in ihrem Bemühen war das Wissen darum, welche Flagge wann aufzuziehen war, um eine Gefangennahme zu vermeiden.

Heute liegen die Dinge nicht viel anders. Mächtige Regierungen beschlagnahmen und konfiszieren Vermögen, manchmal rechtmäßig oder „legal“, manchmal nicht. Auf See wählen die Besitzer immer noch Männer wie mich aus, um einen Anbieter von Variablen zu analysieren und sorgfältig die Flaggen sowie die dazugehörigen Gesetzes- und Finanzstrukturen auszuwählen, die ihre Schiffe und ihr anderes Vermögen bestmöglich schützen werden. Ein gutes Business. Es ist nett, John Galt zu kennen.

Um verstehen zu können, was in Zypern passiert ist, ist es nötig, im Geiste Bilder einer wahrhaft kolossalen Menge Geldes heraufzubeschwören.

Brieftaschen voller Bargeld? Man stelle sich lieber Schiffscontainer vor, die voll davon sind. Verwirrend komplizierte Netzwerke korporativen und privaten Reichtums, Strohfirmen, Beteiligungsgesellschaften und überwältigende Transfers zwischen diesen Unternehmen und weiteren. Man stelle sich auch Privatflugzeuge und Mega-Yachten vor – die Betriebe – und multipliziere dieses Kaleidoskop mit tausenden von Nutznießern, Großaktionären und Topmanagern weltweit.

Nun hat man eine vage Vorstellung der dynamischen, vielschichtigen und nebulösen Netzwerke – vom Design her nahezu völlig undurchsichtig – dessen wenige Konvergenzpunkte auch Zypern enthielten.

Genauso wie in einer Seeschlacht ist auch hier Entlarvung gefährlich. Wenn man sich Reichtümer vorstellt, dann zieht Hollywood unsere Imagination vermutlich in Richtung Schweizer Tresorräume, Mahagoni-Gänge und Goldbarren, aber viel von diesem Zeug – Orte, Mechanismen und Glitter – sind Schnee von gestern. Praktisch ausgedrückt sind diese Spielzeuge so gut wie entlarvt und daher gefährliches Vermögen. Aber das Beschlagnahmen von Booten ist ein zeitaufwändiges, kompliziertes Business für Plünderer der Regierung, wenn es nicht zu größeren Reichtümern führt. (Die Boote sind nahezu verfault und werden deshalb „gerettet“, wenn es angemessen ist.) Aus einer Unternehmensperspektive betrachtet spielt die aufsehenerregende Aufmachung des Reichtums eines Produzenten nur dann eine Rolle, wenn sie die falsche Art von Aufmerksamkeit erregt. Ausschlaggebend ist das Geld. Ziel ist es, soviel davon zu behalten als möglich, auf legale oder andere Weise. Die Imperien möchten es einem wegnehmen, und sie bestimmen, was legal ist.

Es ist den Medien unmöglich, in Bildern das Ausmaß der Reichtümer darzustellen, die in Zypern verankert sind. Die ruhigen und staubigen Orte Nikosia und Limassol sind nicht im Entferntesten glamourös. Hier trifft griechische Effizienz auf britische Gastfreundlichkeit. Mittelklasse-Urlauber schwelgen bei einem warmen Bier und Kleftiko in dem, was vom Empire übriggeblieben ist. Hin und wieder fährt sich ein Tourist mit seinem gemieteten Motorrad zu Tode. Zypern gäbe in einem Film über diesen erstaunlichen Raub eine trostlose Kulisse ab. Es war ein Ort, der diese Art der Aufmerksamkeit ja vermeiden sollte. Die Weltelite hat ihr Geld hier nicht ausgegeben; hier hat sie es aufbewahrt. Wie eine Piratenhöhle war es ideal zum Verstecken eines gestohlenen Schatzes.

Obwohl es einfach sein mag, sich Offshore-Anleger als fremde Gesetzlose, Piraten oder einfach „Russen“ vorzustellen, ist dies auch nicht annähernd der Fall. Zypern war eine führende Nation – in manchen Kreisen und für gewisse Anwendungen die führende Nation – in Sachen stille Anlage, Management und Strukturierung außergewöhnlich großer Summen Geldes privater Einzelpersonen und Unternehmen in der ganzen Welt. Die Zyprioten lernten schnell in den Bereichen globale Vermögenssicherung und „Steueroptimierung“. (Es schaudert mich beim Aussprechen dieser Worte.)

Zyperns Eintritt in die EU im Jahr 2004 verlieh Finanzoperationen einen noch wirksameren Anschein von Legitimität und Sicherheit. All dies führte zu nahezu einem Jahrzehnt rapide expandierender Geschäfte – sicherlich von Europäern und Russen, die sich vor unvorhersehbaren Steuergesetzen und willkürlichen, außerrechtlichen Konfiszierungen schützen wollten, aber auch von Unternehmen in Nordamerika und anderen Ländern.

Der Punktestand ist größer als wir uns vorstellen können, und es wird unmöglich sein, ihn zu bestimmen. Die Ausdehnung der Anlegerbasis und die Natur des Business, des Besitzes außergewöhnlich großen Anlagevermögens, verschafft uns nur eine sehr vage Vorstellung des Ausmaßes dieses Raubüberfalls – und dasselbe gilt für die Dreistigkeit dieser Aktion. Was wir wissen, ist, dass es sich hier um Regierungsdiebstahl einer Art und Weise handelt, wie es sie seit den Kriegszeiten in Deutschland und im revolutionären Russland nicht mehr gegeben hat. Konten wurden einfach beschlagnahmt; Teile ihres unermesslichen Inhalts wurden – wie wir in Amerika gern sagen – „umverteilt“. Und obwohl das Ereignis Futter für die weltweiten, an den vor Ort ansässigen Menschen interessierten Medien bot, stellen persönliche Ersparnisse und Dinge wie das Führen der Konten von Kleinunternehmen einen vernachlässigbaren Anteil der involvierten Dollarmengen dar. Manche der größten und reichsten Unternehmen, meist mächtige Leute, die weltweites Vertrauen genießen, hatten Geld in Zypern. Und deshalb spricht darüber niemand.

Es sind große Instabilität und anhaltende Schockwellen zu erwarten. Die Auswirkungen des Raubs, von seinen eigenen Architekten auf unheilvolle Weise „Präzedenzfall“ genannt, geraten ins Schwanken. Natürlich werden viele ihre Ersparnisse verlieren, Unternehmen werden Bankrott gehen, und das Ganze wird die schlaffe Wirtschaft noch mehr Blut kosten – nach allem, was wir seit dem letzten großen Raubüberfall erlebt haben. (Ich beziehe mich selbstverständlich auf den Moment, als unsere Politiker uns davon überzeugt haben, dass die Wall Street „bis Dienstag“ $800.000.000.000 benötige.)
Was aber noch wichtiger ist – weltweite Anleger und Investoren werden das Vertrauen in ihre Banken, Regierungen und in die EU verlieren. Das Endergebnis mag Anarchokapitalisten und anderen gefallen, welche dies als unwiderlegbaren Beweis für die elementare Schlechtigkeit von Regierungsverflechtungen und zentralen Bankensystemen betrachten, aber es wird nicht angenehm sein. Wenn Macht überstrapaziert und ganz offensichtlich missbraucht wird, dann gehen die Menschen auf die Barrikaden, Geld wird abgehoben und Produzenten wenden sich intelligenteren und noch verwegeneren Arten der Piraterie zu.

Wieviel ist letzten Endes gestohlen worden? Wie viele Konten sind beschlagnahmt worden? Niemand möchte ein Geheimnis kennen, ohne alle Details darüber zu wissen, aber ich kenne alle Details nicht. Das ist der Punkt. Alles was wir wissen, ist, dass unermessliche Summen verschwunden sind, und die Opfer schweigen. Es ist ein perfektes Verbrechen.

Man wird nie eine komplette und nachvollziehbare Liste der begünstigten Konteninhaber zu sehen bekommen.

Die beste Art und Weise, einen Raub durchzuziehen, ist, es so zu machen, dass niemand in die Trillerpfeife bläst oder die Autoritäten zu Hilfe ruft. Noch besser ist es, die Dinge so zu arrangieren, dass die Autoritäten mit im Boot sind. Am allerbesten ist es natürlich, wenn die Autoritäten den Job machen.

Und genau das ist in Zypern passiert.



Kategorien:Banken bloßgestellt, Bankensystem, News, Regierungen bloßgestellt, Unternehmen bloßgestellt, Wahrheit auf der Spur

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