Zypern hat endlich den Mythos beendet, dass die Europäische Währungsunion freundlich ist

The_Thelegraph

27. März 2013

von Ambrose Evans-Prichard http://www.telegraph.co.uk
Übersetzung. Hans-André

Die Zypern auferlegte Strafmaßnahme ist ein Trick gegen Jeden, der in diese schmutzige Geschichte verstrickt ist, gegen das zypriotische und das deutsche Volk, gegen Retter und Gläubiger. Alle werden gerade enttäuscht.

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Es ist kein Bailout. Es gibt keinen Schuldenerlass für Zypern. Das Diktat wird die Schuldenquote der Insel in kurzer Zeit auf 120% erhöhen, mit einem hohen Risiko einer wirtschaftlichen Todesspirale auf griechische Art.

Kapitalverkehrskontrollen haben die monetäre Einheit der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion erschüttert. Ein zypriotischer Euro ist nicht mehr ein Kern-Euro. Wir warten darauf, die ersten Geschichten von Geschäften in ganz Europa zu hören, die sich weigern Euro-Banknoten aus Zypern mit einem G in der Seriennummer anzunehmen.

Die Drosselungen sind drakonisch. Es gibt eine erzwungene Verlängerung der Schulden. Schecks könnten nicht mehr eingelöst werden. Der grundlegende grenzüberschreitende Handel ist stark eingeschränkt. Die Kreditkartennutzung im Ausland wird auf € 5.000 (€ 4.200) pro Monat begrenzt. „Wir fragen uns, wie solche Kapitalverkehrskontrollen letztlich ohne offensichtliche Heilung des zugrunde liegenden Problems aufgezogen werden konnten“, sagt die Credit Suisse.

Die Komplizenschaft der EU-Behörden bei dem ursprünglichen Plan, gegen versicherte Bankeinlagen zu verstoßen- aufgehalten nur durch die Revolte des zyprischen Parlaments – lässt den Verdacht aufkommen, dass sie jedem Geld stehlen, wenn Staats-und Regierungschefs der Gläubigerstaaten meinen, dies sei in ihrer unmittelbaren Interesse. Die Währungsunion ist zu einer Gefahr für das Eigentum geworden.

Man kann darüber nur lächeln, dass Eurogruppenchefs Heroen Dijsselbloem angegriffen wird, weil ihm rausgerutscht ist, dass das zypriotische Paket eine Vorlage für zukünftige Unionsrettungen mit weiteren Haircuts für „unversicherte Depotinhaber“ ist. Das steht nicht im Drehbuch. Man betrachtet Zypern als besonderen Fall. Doch die „Dijssel-Bombe“ bestätigt lediglich, dass die Gläubigermächte – die Völker, die derzeit die Währungsunion beherrschen – dem Rest des Club Med eine solche Politik auferlegen, wenn der Druck nur wächst. Zur gleichen Zeit belügt der deutsche Block sein eigenes Volk über die wirklichen Kosten für den Zusammenhalt des Euro. Das Abkommen gibt vor die Steuerzahler der EMU-Gläubigerstaaten vor künftigen Verlusten zu schützen. Durch die Beschlagnahme von 5,8 Mrd. € aus den Sparkonten, hat es die Schlagzeilen-Zahl der EU-IWF-Troika Rettung auf 10 Mrd. € reduziert.

Das sind Taschenspielertricks. Sie haben einfach die Kosten der neuen Kreditlinie für Zypern auf die Europäische Zentralbank umgelegt. Die EZB wird die Zeitlupen-Bankrun in Zypern mit ihrer Emergency Liquidity Assistance (ELA) verrechnen, und dies ist wahrscheinlich ein großes Stück der verbleibenden € 68 Mrd. an Einlagen nach dem, was in den letzten zwei Wochen geschehen sein.

Vieles davon wird sich in der Bilanz der Bundesbank und ihrer entsprechenden EZB Target2-Zahlungverbindung zeigen. Das Geld wird aus Zypern wegfließen, es sei denn die Troika versucht, die Insel mit Stacheldraht zu umgeben.

„Indem 5,8 Mrd. an Bailoutgeld gerettet wird, dürften die anderen Länder des Euroraums wohl für vier bis fünf Mal so hohe Anteilsverpflichtungen haben. Aber natürlich, ersteres bedeutet echtes Geld, was Politikern Kopfschmerzen bereitet, letzteres ist Monopoly-Zentralbankgeld“, sagte Marchel Alexandrowitsch von Jefferies.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird alles vor den Wahlen im September tun, um die wahren Kosten des EMU-(Wirtschafts-und Währungsunions-)Projekts zu verschleiern. Es ist seit August 2012 klar, dass sie bereit ist, die EZB Bailouts durch die Hintertür als das kleinere Übel durchführen zu lassen. Ein solches Vorgehen ist unsichtbar für die deutsche Öffentlichkeit, es bedarf keiner Abstimmung im Bundestag, es umgeht die Demokratie.

Frau Merkel kann damit durchkommen, vorausgesetzt Zypern verlässt nicht die Union und die Target2 Ansprüche der Bundesbank verfallen, was durchaus passieren kann.

„Ich wäre nicht überrascht, einen Rückgang von 20% des realen BIP sehen“, sagte Nobel-Ökonom Paul Krugman. „Zypern sollten den Euro verlassen, der Verbleib bedeutet eine unglaublich tiefe Depression. “

„Niemand weiß was passieren wird. Die Wirtschaft könnte in einem freien Fall übergehen „, sagte Dimitris Drakopoulos von Nomura.

Das Land hat gerade seine Kern-Industrie, ein Bankensystem mit einem achtfachen Vermögen des BIP verloren, und hat wenig um sie zu ersetzen. Zypern kann darauf hoffen, sich seinen Weg zurück zur Rentabilität mithilfe eines Tourismus-Boom zu erkämpfen, weil die Mitgliedschaft in der Währungsunion ihn erschreckend teuer gemacht hat. Die Türkei, Kroatien oder Ägypten sind alle viel billiger. Das Verarbeitende Gewerbe macht nur 7% des BIP aus. Der IWF sagt, der Arbeitskosten-Index ist sogar schneller als in Griechenland, Spanien oder Italien seit den späten 1990er Jahren gestiegen.

Was Island vor Massenarbeitslosigkeit rettete, nachdem seine Banken explodierten – oder was Schweden und Finnland in den frühen 1990er Jahren rettete – war eine Abwertung der Währung, die die Industrie wiederbelebte. Islands Krone ist weit genug gefallen, um den Anbau von Tomaten zum Verkauf in Gewächshäusern in der Nähe des Polarkreises lohnenswert zu machen.

Wenn Zypern versucht Wettbewerbsfähigkeit mit einer „internen Abwertung“ zurück zu erkämpfen, wird es die Arbeitslosigkeit auf griechisches Niveau(28&) hinauftreiben und die Wirtschaft so schnell schrumpfen lassen, dass die Schuldenquote explodiert.

IWF-Chefin Christine Lagarde hat dem Troika-Deal ihren Segen gegeben und behauptet, dass das Paket Zyperns volle Gesundung mit einer öffentlichen Verschuldung unter 100% des BIP bis 2020 wiederherstellt.

Doch hat der Fonds bereits diese Farce in Griechenland gerade durchgemacht und ihr eigenes Personal hat dabei die Doktrin hinter den Krisen-Maßnahmen der Union diskreditiert. Es hat sich gezeigt, dass der „fiskalische Multiplikator“ dreimal höher ist als für den Club Med-Block angenommen. Ein Sparkurs über die therapeutische Dosis hinaus ist selbstzerstörerisch.

Einige in Nikosia klammern sich an die Hoffnung, dass Zypern als Finanz-Gateway für Russen und Kasachen weitermachen kann als ob nichts passiert wäre. Die Royal Bank of Scotland sagt, die Russen werden „all ihr Geld aus Zypern herausholen“, sobald die Kapitalverkehrskontrollen aufgehoben werden“.

Die Bereitschaft der zyprischen Behörden letzte Woche, Geld von jedem in jeder Bank, selbst gesunden Banken in Zypern zu beschlagnahmen – war ein Akt staatlichen Wahnsinns. Wir werden im Laufe der Zeit herausfinden, ob dieser abenteuerliche Fehltritt das Vertrauen in das Land als Finanzplatz zerstört hat oder ob Teile des finanziellen und rechtlichen Dienstleistungssektors sich werden erholen können.

Doch sicherlich gibt es keinen Weg zurück zum alten Modell, auch wenn das letztlich Paket die Verluste auf die beiden Banken beschränkt, die tatsächlich in Schwierigkeiten sind. Sparer über € 100.000 verlieren bei Laiki 80% ihres Geldes, wenn sie überhaupt etwas zurückbekommen. Diejenigen, die bei der Cyprus-Bank sind verlieren 40%.

Tausenden von kleinen Unternehmen, die durchzuhalten versuchen, werden ihrer operativen Mittel beschlagnahmt. Eine Zypriotin erzählte mir, dass die 400.000 € auf dem Geschäftskonto ihres Vater bei Laiki gerade eingefroren wurden und es ihm dadurch unmöglich machten, eine ägyptische Firma für eine Schuh-Lieferung zu bezahlen.

Das Zypern-Debakel hat uns wieder einmal gelehrt, dass die Währungsunion aus der Spur geraten und eine Gefahr für die Stabilität geworden ist und abgebaut werden sollte, bevor sie die Nachkriegsordnung in Europa zerstört.

Ob dieses Debakel einen Wendepunkt in der Krise darstellt ist eine andere Sache. Italien, Spanien, Frankreich und Portugal haben ihre eigenen Krisen und bewegen sich in ihrem eigenen Rhythmus.

Die Auflösung wird kommen, wenn die Demokratien Südeuropas zu dem Schluss kommen, dass die Gesundung ein falsches Versprechen ist und dass der einzige Weg, um die Massenarbeitslosigkeit zu beenden, darin besteht, sich aus der widersprüchlichen Herrschaft der Währungsunion zu befreien.

Dies wird von Italien, nicht von Zypern, entschieden werden.



Kategorien:Banken bloßgestellt, Bankensystem, Hinter den Kulissen der Macht, News

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